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zerschlagung der Kunst- und Museumsbibliothek Koeln



Aus H-MUSEUM (sic!):

From: "Silke Eberhardt" <seberhardt _at__ web.de>
Subject: Einladung zur Pressekonferenz
Date: Wed, 7 May 2003 16:27:38 +0200
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Sehr geehrte Damen und Herren,

die Leserinitiative der Kunst- und Museumsbibliothek Köln lädt Sie ein:

am 20. Mai 2003 um 11.30 Uhr
in die Piazzetta des Historischen Rathauses

zu kommen. Wir übergeben Herrn Stadtdirektor Winkelhog ein
Unterschriftenpaket und Protestbriefe namhafter Personen des
öffentlichen
Lebens. Zur anschliessenden Diskussion sind Sie herzlich eingeladen!

Mit freundlichen Grüßen

Die Leserinitiative KMB Köln


Kontakt: Frau Dr. Katja Terlau: kterlau _at__ web.de, Tel.: 0221 - 559 41 62
Frau Silke Eberhardt M.A.: seberhardt _at__ web.de, Tel.: 0221 - 760 98 99

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Ein Flaggschiff des Wissens und der Forschung sinkt.
Die Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln soll zerschlagen werden!

Wir, die Leserinitiative der Kunst- und Museumsbibliothek, setzen uns
seit
Jahren für den lebensfähigen Erhalt der Institution ein. Die
Leserinitiative
existiert seit 15 Jahren. Wir protestieren gegen die absurden Sparpläne
der
Verwaltung und haben u.a. eine Unterschriftenaktion für den Erhalt der
KMB
initiiert. Die Unterschriften werden Herrn Stadtdirektor Winkelhog vor
der
alles entscheidenden Ratssitzung am 22. Mai 2003 übergeben. Offene
Briefe
von Persönlichkeiten des Kölner und des nationalen Kulturlebens werden
mitüberreicht. Zur Übergabe ist eine Pressekonferenz angesetzt, zu der
wir
Sie herzlich und mit Nachdruck einladen möchten.

Die in den letzten Monaten von der Kölner Stadtverwaltung, u.a. von
Herrn
Oberbürgermeister Fritz Schramma öffentlich gemachten Vorschläge zu
Sparmaßnahmen im Kunst- und Kulturbereich waren für uns alle mehr als
schockierend. Sie zerstörten in recht kurzer Zeit das Vertrauen in die
von
uns gewählten Politiker und geben Anlass zu der Sorge, dass mit den
Ressourcen dieser Stadt und den über Jahrzehnten aufgebauten namhaften
Institutionen sorglos und willkürlich umgegangen wird. Im Bereich der
Kultur
soll dreimal soviel gespart werden wie in anderen Sektoren. Für die
Kunststadt Köln bedeutet die drohende Schließung einiger Häuser den
endgültigen Abstieg in provinzielle Bedeutungslosigkeit. Vor dem
Hintergrund
der Bewerbung Kölns zur Kulturhauptstadt Europas 2010 werden die
Sparpläne
ad absurdum geführt.

Von den Sparmaßnahmen ist auch die drittgrößte Kunst- und
Museumsbibliothek
(KMB) Nordwest-Europas bedroht. Die KMB Köln bildet zusammen mit Berlin,
München, Nürnberg, Rom (Biblioteca Hertziana) und Florenz
(Kunsthistorisches
Institut) eine Arbeitsgemeinschaft, die in dieser Form seit zwanzig
Jahren
von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Die
Bestände
der KMB reichen vom Anfang des Buchdrucks bis ins 21. Jahrhundert mit
einem
Umfang von ca. 360.000 Bänden. Innerhalb der Arbeitsgemeinschaft der
Bibliotheken übernimmt sie die Aufgabe, Literatur zur Fotografie, zur
Region
Benelux und zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts zu sammeln und für
Forschung und Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. Der Bestand des
inzwischen international renommierten Hauses ist seit Jahren auf drei
Standorte im Innenstadtbereich verteilt. Sie ist öffentlich zugänglich,
eine
Auflage der Deutschen Forschungsgemeinschaft, zu der sich die Stadt
bereit
erklärt hat.

Damit soll jetzt Schluss sein! Die OB/3-Kommission (verschärfte
Sparkommission), die vom Oberbürgermeister der Stadt Köln, Herrn Fritz
Schramma, eingesetzt wurde, hat im Haushaltssicherungskonzept die
Schließung
der KMB in der jetzigen Form verankert. Die Bestände sollen für die
Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sein, auf die Museen der Stadt
verteilt
und teilweise in angemieteten Depots gelagert werden. Die Personalkosten
für
neun Stellen sollen komplett eingespart werden. Falls der Rat in seiner
Sitzung am 22. Mai 2003 diesem Vorschlag zustimmt, wird die Deutschen
Forschungsgemeinschaft die Fördergelder streichen und die KMB damit aus
der
internationalen Arbeitsgemeinschaft ausgeschlossen. Es ist ausserdem
möglich, dass die DFG die dreißig Jahre lang gezahlten Gelder
zurückfordert.
Die Wissenschaftler und Vertreter der Museen, des Kunsthandels, der
Universität, sowie Sammler und Kunst- und Kulturinteressierte aus Köln
und
Umgebung verlieren den wesentlichen Standort für ihre Forschung. Der
Zugriff
auf Fachliteratur, die bei der Konzeption neuer Projekte im Bereich
Sonderausstellung und Publikation grundlegend ist, wird nicht mehr
möglich
sein. Wissenschaft, Forschung und Ausstellungskonzeptionen sind dadurch
gefährdet; dem Kunstmarkt wird eine wichtige Informationsquelle
entzogen.


Die Erhaltung der KMB bedeutet für uns:

- Die Öffnungszeiten müssen gewährleistet bleiben. (Di 10-20 Uhr, Mi-Fr
10-18 Uhr, jeden 2. Sa 11-16 Uhr). Verkürzte Öffnungszeiten machen eine
sinnvolle Benutzung der Bestände unmöglich, da die KMB eine
Präsenzbibliothek ist.
- Der Anschaffungsetat muss auf dem jetzigen Niveau von der Stadt weiter
finanziert werden, um die DFG zur weiteren Förderung zu bewegen.
- Alle Stellen müssen erhalten bleiben.
- Alle drei Standorte müssen erhalten bleiben. Für die Zukunft sollte
jedoch
ein gemeinsamer Standort angestrebt werden, um Kosten zu sparen.

Um diesen Forderungen den nötigen Nachdruck zu geben, bitten wir um Ihre
Unterstützung.


Die Leserinitiative der KMB Köln


Listeninformationen unter http://www.inetbib.de.