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Re: [InetBib] Was Verlage sich leisten



Lieber Herr Eberhardt, ein sehr schöner Leserbrief! 

Die Argumentation der Verlage bzw. des Börsenvereins geht vollkommen an der 
Benutzungsrealität in den Bibliotheken vorbei. 

Bibliothekarisch interessant wäre die Bildschirmpräsentation insbesondere für 
diese Titel:
- vergriffene, aber viel gefragt Werke,
- Werke in schlechtem Erhaltungszustand (in der Regel ebenfalls vergriffen),
- Magazinliteratur. 

Für die von Ihnen angesprochene BSB wäre es sicher erwägenswert, viel gefragt 
Titel (etwa ab 3 Bestellungen im Jahr) aus den auswärtigen Magazinen zu 
dgititalisieren. Das würde sich sogar rechnen.

Die genannten Buchgruppen haben etwas gemeinsam: die Bücher werden von den 
Verlagen in der Regel gar nicht mehr angeboten. Von der Digitalisierung durch 
die Bibliothek profitiert zunächst der Nutzer, der leichter an den gewünschten 
Inhalt kommt, und letztlich der Autor, der dem Vergessen der Magazine entrissen 
und wieder rezipiert wird. Wer sollte dagegen etwas haben? 

Das geltende UrhG jedenfalls - im Prinzip - nichts, vgl. § 53 IV b), VI 2 UrhG, 
freilich müßte man hier das Merkmal "verleihen" so auslegen, daß auch die 
Bildschirmpräsentation im Haus erfaßt ist. Hm, argumentum a maiore ad minus?!  
:)

Die Argumentation des Börsenvereins ist, mal wieder, in hohem Maße ärgerlich, 
denn sie geht mit Konsequenz an der Bibliothekspraxis vorbei, konstruiert 
Probleme, die keine sind, und verkauft dann die Öffentlichkeit, die 
Wissenschaft und die Steuerzahler übervorteilende Lösungen als wohlfeile 
Remedur. Date mihi pelvim!
 
Eric Steinhauer




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