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Re: [InetBib] (Fwd) Re: [open] Kapuziner-Bibliothek aus Roudnice n



Lieber Herr Stephan,

anders als mein Mitstreiter Klaus Graf bin ich für Ihre differenzierte
und nachdenkliche Antwort durchaus dankbar. Ich halte es für
grundsätzlich problematisch, mit der "Moralkeule" zu kommen,
weil dies den Weg zu notwendiger Einsicht und fachlicher
Diskussion nur verstellt.

Die Moralkeule verkennt, dass uns immer unterschiedlichste
Beweggründe und Motive umtreiben, und dass wo viel Licht ist,
auch viel Schatten ist. Eine Binsenweisheit, die aber darum
ihre Berechtigung nicht verliert.

Sie schreiben:
"In Eichstätt sind offenkundig handwerkliche Grundsätze unseres
Berufsstandes rigoros zur Seite geschoben worden."

Es tut gut, dass dies auch einmal klar ausgesprochen wird.
Das kann man nämlich auch wohl erkennen, ohne beurteilen
zu können, ob und was davon justiziabel sei. Betroffen sind
davon ja schließlich auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
der Bibliothek. Wer sich mit seiner Arbeit identifiziert, dem
muß es in der Seele weh tun, wenn das "Handwerk" so
zugrundegeht.

Zum weiteren unten im Text. 

------- Weitergeleitete Nachricht / Forwarded message -------
Von: Armin Stephan <armin.stephan@xxxxxxxxxxxx>
An: INETBIB
Betreff: Re: [InetBib] [open] Kapuziner-Bibliothek aus Roudnice nad Labem
Kopie an: KIBIB-Liste

Antwort an: armin.stephan@xxxxxxxxxxxx
Datum: Mon, 19 Mar 2007 13:03:48 +0100

Lieber Herr Kämper,

zunächst herzlichen Dank für diese Zusammenstellung der einschlägigen
Zitate. Sie hat mir geholfen, ein umfassenderes Bild von den in Altötting
zusammen geführten Kapuziner-Bibliotheken zu erhalten.

Ich werde Ihre Mails deshalb auch an die Mailing-Liste der kirchlich-
wissenschaftlichen Bibliotheken KIBIB weiterleiten.

s. bitte unten mehr ...

Am 16 Mar 2007 um 17:58 hat bernd-christoph.kaemper@xxxxxxx
stuttgart.dRe: [InetBib] [open] Kapuziner-Bibliothek aus Rou geschrieben:

Armin Stephan schrieb am 16.3.2007

Um nicht falsche Vorstellungen und Mythen entstehen zu lassen:

Nach meiner Kenntnis handelt es sich bei den
Kapuziner-Beständen,
die von der UB Eichstätt übernommen worden sind, nun gerade
nicht um eine solche geschlossene, wertvolle, historische
Klosterbibliothek.

Vielmehr handelt es sich dort um die Übernahme eines
Aussonderungslagers der Kapuziner. An verschiedenen Orten
mit Kapuzinerniederlassungen ausgesonderte Bestände mit sehr
unterschiedlicher Güte wurden an einem Ort gesammelt und unter
bibliothekarisch inakzeptablen Bedingungen gelagert (massive
Schimmelgefahr).

Sehr geehrter Herr Stephan,

Die von Eichstätt übernommene Zentralbibliothek der Kapuziner als
bloßes "Aussonderungslager" zu bezeichnen, zeugt von sehr ober-
flächlicher Kenntnis der Bibliothekskultur dieses Ordens im
allgemeinen
und der Funktion seiner Zentralbibliothek im Besonderen.

AS:
Ich bin wirklich sehr missverstanden worden, wenn man mir unterstellt, dass
ich diese Büchersammlung als "blosses" Aussonderungslager bezeichnen
würde. Diese negative Interpretation lag nicht in meiner Intention.

Ich wollte nur dem Missverständnis entgegen wirken, dass Herrn Dietz
Verweis auf die tschechische Kapuzinerbibliothek so verstanden wird, als ob
es sich ausschliesslich um eine geschlossene Sammlung handelt, die
durchgängig als Juwel zu bezeichnen wäre.

BC: Gut, das hatte mich auch gewundert. Man sollte aber auch
zusammengewürfelte Sammlungen aus verschiedenen Kapuziner-
konventen auch nicht pauschal als weniger wertvoll ansehen, weil
Ensembles, wie Armin Schlechter schreibt, fast immer gelitten
haben und notwendig fragmentarisch überliefert sind (ohne darum
ihren Wert als Fragment einzubüßen) und weil diese Bestände ja
provenienztragend sind, auch wenn die Besitzer mehrfach gewechselt
haben (das macht es ja gerade oft interessant).

AS: Wir sind uns darin einig - so lese ich Ihre Mails jedenfalls - dass es
in dieser recht umfangreichen und "bunten" Sammlung unbedingt
Erhaltenswertes (" Wie Holzbauer erklärte, waren viele [!] der 350 000
für Eichstätt bestimmten Bände erhaltungswürdig.") aber auch Ausson-
derungsfähiges (" Gemäß §2, Abs. 2 unter Beachtung von § 2, Abs.
2 ÜV hat die Universitätsbibliothek nach fach- und pflichtgemäßem
Ermessen des Unterzeichneten [Direktor Holzbauer], der die Aktion vor
Ort leitete, sowohl Bücher an Antiquare verkauft als auch Bestände
vorab ausgeschieden.") gegeben hat.

BC: Gewiß. Holzbauer ist unterschiedlich zitiert worden, da er aber
sich nicht im Fernsehen geäußert hat, weiß man nicht so genau, was
er gesagt hat. Oder er hat sich nicht mehr ganz so apodiktisch äußern
wollen wie in der ersten Erregung über die Büchervernichtung. Man
wußte aber anfangs nicht so genau, ob und in welchem Umfang
überhaupt schon in Altötting Aussonderungen vorgenommen worden
waren, was für die Beurteilung ja wichtig ist. Aus seinem veröffent-
lichten Bericht ergibt sich aber, dass 1. der Teil der schon von den
Kapuzinern als solchen vorsortierten Dubletten noch in Altötting an
Archivare verkauft wurde, so wie dies die Kapuziner gewünscht hatten,
der Erlös sollte für den Transport verwendet werden; 2. unbrauchbar
gewordene und verschimmelte Bände aussortiert und nicht etwa noch
nach Eichstätt geschafft wurden, um dort weiter vor sich hin zu
schimmeln. Ein Teil der trotz Schimmels erhaltenswerten Bände ist
zusammen mit dem Institut für Buchrestaurierung aus München
gleich vor Ort behandelt worden. Das war sicherlich ein fachlich
korrektes Vorgehen. Es ist also nicht so, daß die ganze
Aussonderung erst in Eichstätt noch geleistet werden musste. Man
wird also davon ausgehen dürfen, dass ein Großteil der nach Eich-
stätt gebrachten Bestände erhaltungswürdig war (sei es nun für die
Einarbeitung oder die Abgabe an Antiquare).

AS:
In Eichstätt sind offenkundig handwerkliche Grundsätze unseres
Berufsstandes rigoros zur Seite geschoben worden.

Die Medien berichteten deshalb:

" Staatsanwaltschaft ermittelt gegen
Uni-Bibliothek
Die Anklage gegen die Bibliotheksleiterin Angelika
Reich lautet auf
Verdacht der Untreue.

Im Rahmen der Anzeige wird auch gegen den Kanzler
der Universität
Eichstätt, Gottfried Freiherr von der Heydte, und
den Provinzial der
bayerischen Kapuziner, Pater Josef Mittermaier,
ermittelt."

Es ist nach meiner Kenntnis ein erstmaliger Vorgang, dass
Buchaussonderungen von BibliothekarInnen zu staatsantwaltlichen
Ermittlungen führen. Das zeigt deutlich, dass die Vorgänge selbst von der
Justiz nicht als banal eingeschätzt werden.

Erst recht müssen sie von den BibliothekarInnen selbst ernst genommen
werden.

Das versuche ich zu tun und bin deshalb für jede Erkenntnis offen. Auch
jede juristische Verurteilung unrechtmäßiger Vorgänge in Eichstätt würde
ich für in Ordnung halten.

Aber auch hier macht der Ton die Musik. Manches, was in der Diskussion
bislang zu zu lesen war, kann ich nicht mitgehen:

1. Es wird gegen drei konkrete Personen ermittelt, deren Verantwortlichkeit
in der Sache evident ist. Jede weitere Namensnennung empfinde ich derzeit
als spekulativ.

In einer Mitteilung von Herrn Graf von 2002 lese ich:

"Ich hatte unmittelbar danach Kontakt mit der Bayerische Provinz des
Kapuzinerordens und habe mit dem Guardian des noch bestehenden
Kapuzinerklosters Eichstaett telefoniert und auch mit dem Direktor der
Universitaetsbibliothek Dr. Holzbauer. Eine schluessige Aufklaerung
erfolgte nicht, man gab vor, nichts zu wissen, man koenne sich die
Existenz der Baende im Handel nicht erklaeren. Der Eichstaetter Guardian
gab zu bedenken, dass einzelne Baende vor laengerer Zeit gestohlen
wurden." (http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg09138.html)

Wie passt diese Feststellung zu dem Lob, das Kollege Holzbauer jetzt
in der Sache erfährt?

Für mich belegt der jetzt schon mehrfach angesprochene Artikel von Herrn
Littger im Jahrbuch Kirchliches Buch- und Bibliothekswesen Jg. 2000 doch
gerade, dass er handwerklich seriös an die Sache mit den in Altötting
gelagerten Kapuzinerbeständen heran gegangen ist. Ihn leidenschaftlich als
bösen Buben darzustellen, der mit Lust Kulturgut vernichtet, kann nur als
unsinnig bezeichnet werden.

Wenn jetzt nach einigen Jahren Dinge in Eichstätt passiert sind, die so gar
nicht mehr recht zum Geist dieses Artikels passen wollen, dann stellt sich
mir die Frage: Was hat sich verändert? Die augenfälligste Veränderung ist
für mich als Aussenstehenden der Leitungswechsel in Eichstätt.

Herr Graf fragt gar nicht erst, wie die Kompetenzen von Kollegen Littger in
der Sache zu beurteilen sind, sondern drischt fröhlich drauf los.

Warum ermittelt, so frage ich mich, die Staatsanwaltschaft nicht gerade
gegen den "Chef-Altbestandsbibliothekar" der UB Eichstätt? Ich würde
meinen: Man sieht keine Anhaltspunkte dafür. Die Verantwortlichkeiten sind
doch klar. Schon Herr Holzbauer hat die Sache als Chefsache betrieben.

Wie sagte Frau Reich doch in ihrem unsäglichen Interview: " ... da muss
ICH mir etwas Besonderes einfallen lassen ..."

BC: d'accord - sehe ich im wesentlichen auch so. Für mich sind die
Verdienste von Holzbauer offenbar, von den unbestreitbaren Meriten
der Eichstätter (auch hinsichtlicher der Pflege von Altbeständen, man
denke etwa an die Bibliothek der Abtei St. Walburg) hat auch Klaus Graf
an anderer Stelle gesprochen. Ich nehme allerdings zur Kenntnis, dass
Altbestandsbibliothekare wie Armin Schlechter aus Heidelberg
konstatieren, die von Klaus Graf ausgelöste Diskussion um die Dubletten-
verkäufe aus Altbeständen in Eichstätt sei ein schlagender Beweis dafür,
daß sich der Ensemblebegriff im Bibliothekswesen noch nicht durchge-
setzt habe und man einem überholten Dublettenbegriff folge. Littger hat
das damals verteidigt, wobei ich meine, dass es immer noch einen
wesentlichen Unterschied bedeutet, was dem Selbstverständnis eines
Ordens im Umgang mit Büchern entspricht und was berechtigtes
Forschungsinteresse der Wissenschaft ist, sobald solche Bestände quasi
"säkularisiert" und der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden. 

Inzwischen haben wir es aber leider nicht nur mit Veräußerungen von
Altbestands"dubletten" zu tun, sondern mit der undokumentierten Ver-
nichtung kompletter Bestände. Das ist schon ein qualitativer Sprung,
der dem Kollegen Littger bestimmt nicht sympathisch gewesen sein
kann, jedenfalls nicht in dem Rigorismus, mit dem dort vorgegangen
wurde. Aber wir begeben uns schon arg in die Gefilde der Spekulation
und tun dies eigentlich nur, um dem noch fataleren Eindruck entgegen-
zusteuern, als könnten wir glauben, dass dies ohne Widerspruch
geschehen sein sollte.

Was Lob und Tadel betrifft, so ist mir Schwarzweißmalerei durchaus
zuwider. Auch ich halte es für absurd, etwa Klaus Littger "leidenschaftlich
als bösen Buben darzustellen, der mit Lust Kulturgut vernichtet" (ich
stimme da eher Philipp Gahn zu, der meint, es könne auch bei der Bibl.
leitung nur "aus Not" geschehen sein, was ja auch ein Stück Hilflosigkeit 
widerspiegeln kann), das macht es aber letztlich nicht besser. Und ob 
der undokumentierte Verkauf von Altbestandsdubletten als handwerklich 
seriös zu bezeichnen ist, daran habe ich ebenfalls meine Zweifel.

AS:
2. Ich kann nicht mehr folgen, wenn die Diskussion den Zungenschlag
bekommt, Aussonderung von Büchern aus überlassenen Nachlässen,
Geschenken u.ä. generell als etwas "Unanständiges" und "Zweifelhaftes"
erscheinen zu lassen. Dann regt sich innerer Widerstand bei mir.

Nach meiner beruflichen Auffassung ist das nicht nur etwas ganz
Selbstverständliches, sondern eine der vornehmsten Aufgaben unseres
Berufsstandes. Es ist eine der Kernaufgaben unseres Berufes,
Bestandsaufbau mit Verstand zu machen. Dinge müssen auf Relevanz hin
beurteilt werden. Gerade die Vorselektion ist eine, vielleicht die
Kerndienstleistung gegenüber den Benutzern.

(Das aber natürlich auch: Vernichtet eine Bibliothek, die zurecht stolz ist auf
ihren Altbestand, bei solchen Übernahmeaktionen Werke, die für den
Bestand von grossem Wert sind, dann ist das nicht nur ein unglaublicher
Verstoß gegen diese Prinzipien, sondern schlicht dumm.)

BC: Im Grundsatz gebe ich Ihnen recht, aber das ist ein schwieriges Feld
und muß im Einzelfall natürlich differenziert beurteilt werden. Wenn ich
eine Bibliothek übernehme, muß ich überlegen, ob diese als Ensemble
erhaltens- und dokumentationswert sind, gerade wenn provenienztragender
Altbestand involviert ist. Es geht nicht nur darum, ob die einzelnen
übernommenen Bände für den eigenen Bestand von Wert sind. So ist es
z.B. schlecht, wenn man das Ziel hat, "die Geschichte und die Spiritualität
der Bayerischen Kapuziner, das theologische Schaffen und die Leistungen
in Predigt und anderen Apostolatsformen in all ihren Ausprägungen" zu
studieren, wenn man dann einen provenienztragenden Band aus einem
Kapuzinerkloster nur deshalb nicht aufnimmt, weil schon ein gleicher
Band aus einem Jesuitenkloster vorhanden ist. Man weiß dann ja nicht 
automatisch, dass er auch in Kapuzinerklöstern vorhanden war. 

AS:
Nach meiner Beobachtung ist in diesem Zusammenhang das Thema Erhalt
geschlossener Sammlungen unter AltbestandsbibliothekarInnen ein
durchaus wichtiges, aber auch kontrovers diskutiertes. Es gibt KollegInnen,
die der Zusammensetzung der nehmenden Bibliothek allemal höhere
Priorität einräumen als dem geschlossenen Erhalt der abgegebenen
Bibliothek und Aussonderungen deshalb für zulässig halten. Andere
plädieren ganz pauschal gegen jeglichen Eingriff in die ursprüngliche
Zusammensetzung einer abgegebenen Bibliothek von gewissem Wert.

Ich würde es, wie Herr Graf, als Mindestkompromiss dringend befürworten,
im Falle von Auflösungen geschlossener Sammlungen die Dokumentation
dieses Vorganges sehr hoch zu werten. Bei Mengen von mehr als 100.000
Bänden und einem in sich sehr verschachtelten Bestand wie im konkreten
Fall, wage ich aber doch Zweifel zu äußern in Bezug auf die praktische
Umsetzung dieser Methodik.

BC: Auch diese Stellungnahme finde ich ermutigend. Wenn Sie das
Mengenproblem ansprechen, so ist es ja einigermaßen paradox, dass
Regionen wie Südtirol, in denen verstreute noch erhaltene Bestände
erst in jüngerer Zeit erfaßt, gesichert und gesammelt wurden, später
einmal evtl. sogar bessere Aufschlüsse für vergleichende Untersuchungen
und für die Untersuchung von Wanderungsbewegungen etc. ergeben
können, auch weil sich das Mengenproblem dort nicht in gleicher Weise
gestellt hat. Gibt es irgendeinen Ausweg daraus, wenn die Ressourcen
fehlen? Eine Frage, die mich ganz laienhaft bewegt ist, ob man dem
Mengenproblem hinsichtlich der Dubletten (ich nehme frühneuzeitliche
Bestände hierbei einmal aus) auch mit Methoden beikommen könnte,
wie sie - meiner diffusen Kenntnis nach - für den sinnvollen Umgang mit
Massenakten von den Archivaren entwickelt wurden. (Man hat es hier 
ja mit Beständen aus 20+ Konventen und entsprechend vielen 
Provenienzen). Nach dem Motto, wenn man schon nicht alles aufbewahren 
kann, dann kann eine intelligente Auswahl der späteren Forschung doch 
immerhin brauchbares Material an die Hand geben? Ist solch ein Ansatz 
absurd oder denkbar?

AS:
3. Ich habe etwas gegen Holzhammer-Rhetorik. Auch da regt sich bei mir
innerer Widerstand.

Auch ich bin gespannt auf endgültige Ergebnisse der Untersuchung der
Vorfälle in Eichstätt und hätte kein Problem damit, Unregelmässigkeiten als
Unregelmässigkeiten, Fehler als Fehler, Versäumnisse als Versäumnisse
und Kulturgutvernichtung als Kulturgutvernichtung zu deklarieren.

Aber ich wehre mich dagegen, alles in einen Topf zu werfen und von den
Beteiligten von vorneherein immer das Schlimmste zu denken. Das ist nicht
meine Art.

BC: d'accord.

Wenn ich in dieser Liste z.B. lese ...

"Hervorheben möchte ich dieses Zitat:
'Josef Mittermaier, Provinzial der bayerischen
Kapuziner, betonte
dagegen in einem internen Rundschreiben, dass das
Vorgehen der
Bibliotheksleitung "von unserer Seite mitgetragen"
wurde. Die Äußerung
Holzbauers, dass es sich bei den vernichteten
Büchern großteils um
völlig unbeschädigte Werke des 17. und 18.
Jahrhunderts handelte, sei
"rational nicht nachvollziehbar". Diese
Einschätzung sei wohl im "Tumult
der schon länger andauernden Privatfehde"
Holzbauers mit Reich erfolgt.'

... dann nehme ich auch das ernst, denn ich halte den Provinzial der
Kapuziner (den ich nicht persönlich kenne) - trotz staatsanwaltlicher
Ermittlungen - nicht ohne Beweis für einen Menschen, dem
man nicht glauben kann.

Mit freundlichen Gruessen
Armin Stephan
Augustana-Hochschule / Bibliothek
D-91564 Neuendettelsau
|
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| (*)/'(*)


BC:
Gewiß, die Aussage "großteils ... völlig unbeschädigte Werke des 17.
und 18. Jahrhunderts" kann schon vom Mengengerüst her nicht hin
kommen (der Anteil von Werken vor 1802 wurde auf 10% geschätzt),
das solche Werke aber im Müll gefunden wurden, ist nicht bestreitbar.

Was Pater Mittermaier betrifft, so kann ich nur sagen, dass er vermutlich
auch als Seelsorger redet und handelt, man streift so etwas ja nicht ab
wie einen x-beliebigen Hut, sondern das bestimmt das ganze Leben. Ich
halte das für verständlich und legitim. Die Kapuziner in Bayern haben es
auch schwer genug, wenn man anschaut, wie ein Kloster nach dem
anderen aufgelöst werden muß, weil es immer weniger Brüder werden.
Da freut man sich nicht gerade über Skandale.

Aber man wird das ganze auch nicht nur auf eine "Privatfehde" zwischen
alter und neuer Bibliotheksleitung reduzieren können. Dass allerdings 
Meinungsverschiedenheiten und persönliche Unverträglichkeiten und 
auch Eitelkeiten den Umgang zwischen alten und neuen Chefs oft 
schwierig machen, wissen wir alle.

Mit besten Grüßen,
B.-C. Kämper, UB Stuttgart



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