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[InetBib] Google eine Bedrohung für die Menschheit?



Hallo liebe Liste,

heise.de zitiert einen Forschungsreport eines Professors der TU Graz, in dem sich der Verfasser sogar darin versteigert Google als "Bedrohung der Menschheit" zu bezeichnen: http://www.heise.de/newsticker/meldung/99953

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Die Sicht auf die Wirklichkeit werde immer stärker von einem "Ergoogeln der Realität" geprägt, wobei aufgrund der häufigen Verweise des Suchmaschinenvorreiters auf die Wikipedia genauer genommen von einer "Google-Wikipedia-Variante der Wirklichkeit" gesprochen werden müsse.
</zitat>

Zuallerlezt ist doch das Copy-Paste-Syndrom die Schuld von Google und Wikipedia, sondern ein allgemeines Bildungsproblem, da in der Schule praktisch keine Informationskompetenz vermittelt wird. Im Studium sieht es bisher kaum besser aus, auch wenn es inzwischen schon Bestrebungen einer curricularen Verankerung von Informationskompetenz gibt. Schulungen zum Thema erreichen immer nur einen kleinen Teil der Studierenden, die sowieso schon interessiert sind. Manch ein Dozent würde da am liebsten die Nutzung von Google, Wikipedia und Co. verbieten (und manche tun dies tatsächlich). Dieses Verhalten geht am Problem völlig vorbei und ist ziemlich armselig.

Für manch einem ist es natürlich auch schwer zu verkraften, dass ein freies Projekt wie die Wikipedia erfolgreich ist und dabei nicht weniger fehlerhaft ist als jedes gute Lexikon. Außerdem gibt es in der Wikipedia zu jedem Artikel eine Versiongeschichte und eine Diskussionsseite, anhand derer man sehr einfach mögliche Ungereimtheiten erkennen kann. Ein Brockhaus bietet solche Informationen z.B. nicht, hier muss man sich auf die Kompetenz der Verfasser verlassen.

Und noch etwas wird immer wieder gerne übersehen: Ein Monopol bedeutet, dass es nicht oder kaum möglich ist, andere Anbieter zu nutzen. Im Internet kann man aber - im Gegensatz zu vielen anderen Monopolen in unserer Welt - jederzeit den Anbieter wechseln. Niemand ist gezwungen Google oder Wikipedia zu benutzen. Objektiv betrachtet ist Google die umfangreichste und aktuellste allgemeine Suchmaschine und die Wikipedia das umangreichste Universallexikon, deshalb sind beide Dienste so erfolgreich.

Die Alternative, eine "staatliche geförderte Suchmaschine" aufzubauen, ist mir übrigens viel unheimlicher als Google & Co. es je sein werden.

Interessant ist allerdings auch, dass der Verfassers des Forschungsberichts u.a. Aufsichtsratvorsitzender der Hyperwave AG München, in dem Suchmaschinen entwickelt werden und in der Microsoft ein Partner ist (Google aber nicht).

Viele Grüße

Sebastian Wolf

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