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Re: [InetBib] VDM-Verlag unter neuem Namen



Lieber Herr Ulmer,

Lieber Herr Umstätter,

vielleicht klärt sich manches mit zwei Feststellungen:

Zum einen ist "Wissenschaft" nur ein kleiner Teil des Bereichs der
Publikationen. Wenn Sie also nur die gemeint haben und nicht die "übrigen"
85%, dann kann man darüber diskutieren.

Mein Aufhänger war VDM bzw. AV Akademikerverlag. Insofern war das eindeutig.

Ansonsten scheint mir Ihre Aussage
nicht richtig. Auch Maler, Komponisten, Architekten, Schauspieler etc.
werden nicht nach Schweiß bezahlt.

Darum hatte ich klar eingegrenzt Leistungs- und Sachgerecht. Dass
insbesondere Künstler nach anderen Kriterien bezahlt werden, ist sicher
allgemein bekannt. Wie weit diese Kriterien gerecht sind, ist eine andere
Frage, wenn man bedenkt, was alles als Kunst bzw. Kultur gehandelt wird.

Zum anderen ist VDM kein Verlag sondern ein absurdes Geschäftsmodell, das
sowohl uns Verlegern die Schamesröte ins Gesicht treibt als auch den
Bibliotheken, deren Gelder die Taschen von VDM füllt.

Darum wunderte ich mich auch, dass Sie nun gerade diesen Verlag mir
gegenüber sozusagen in Schutz nahmen.

Für die große Mehrheit der Verlage kann ich sicher sagen, dass unsere
Fixkosten für Lektorat und Herstellung, Satz, Zeichnungen, Fotohonorare,
Repro, Druckplatten, Einrichten erheblich über den variablen Kosten
liegen, es sei denn ich habe eine Auflage, die ganz ungewöhnlich hoch ist,
was leider selten ist.

Hier sollte man nicht übersehen, dass sich viele professionelle Verlage
gegenüber der großen Zahl an Selbstverlagen durch genau diesen Aufwand
schützen. Wobei Ihre Aussage, "Mehrheit der Verlage" sicher nicht ganz
richtig ist. Was Sie meinen sind die Umsätze dieser Verlage.

Bei E-Books entfällt von den Fixkosten nur das Einrichten der Maschinen
und die Druckplatten, dafür haben wir neue technische Kosten für die
Datenerstellung, insgesamt zwar etwas weniger als bei Print, dafür aber
Stückzahlen, die keine 10% betragen, weshalb die Stückkosten gewaltig über
denen bei Print liegen.

Die Gründe für diese noch niedrigen Stückzahlen dürften allgemein bekannt
sein, und hier gibt es zwei Einschätzungen:
1. Die Stückzahlen werden gewaltig in die Höhe gehen, sobald geeignete
Geschäftsmodelle vorliegen (Kindle Book Lending ist sicher ein Versuch in
dieser Richtung).
2. Die Stückzahlen werden stagnieren, weil die Verlage weiterhin versuchen
ihr Geld mit Printmedien einzunehmen.
Diese Entscheidung wird auf die Open Access Bewegung ihre Wirkung haben.

Bei PoD sind dagegen wieder die variablen Kosten absurd hoch, so dass sich
das für unser normales Geschäft verbietet, für ein paar Nischen aber
sicher interessant ist.

Die Frage ist allerdings, wer und wie viele in diese "Nischen" weiterhin
mit welchem Erfolg hinein gehen.

Vielleicht hilft das bei der Klärung? Bei Bedarf gehe ich gerne auch
weiter ins Detail.

Herzliche Grüße
Matthias Ulmer

Ich denke, dass das an den Fakten und an der Entwicklung nicht viel ändern
wird. Leider nichteinmal bei der Vermeidung von juristischen Fehlern, da
ich nur beobachte, dass nicht einmal die Informationswissenschaftler die
Unterscheidung von Information, Redundanz und Rauschen ausreichend sauber
vornehmen. Ich kann nur wiederholen, das Copyright ist ein Redundanzrecht
und darf nicht wie ein Informationsrecht missverstanden werden - auch dann
nicht, wenn ein Buch (Redundanz des Autorenmanuskripts) für den einzelnen
Leser Information enthält, die er so noch nicht erhalten hat.

Im Fortschritt der Wissenschaftsgesellschaft wird sich sicher noch zeigen,
wie wichtig solche Unterscheidungen sind, da Wissen als begründete
Information genau genommen eine apriori Redundanz ist (s. Zwischen
Informationsflut und Wissenswachstum).

MfG

W. Umstätter



Am 20.10.2011 um 19:00 schrieb "Walther Umstaetter"
<walther.umstaetter@xxxxxxxxxxxxxxxx>:

Lieber Herr Ulmer,

Lieber Herr Umstätter,

woher wissen Sie, dass im Bereich Publikation nicht Sach- und
Leistungsgerecht bezahlt wird?

Das kann doch jeder täglich beobachten, oder glauben Sie wirklich, dass
es
eine Korelation zwischen Leistung (Arbeit mal Zeit) bzw. Qualität und
dem
Gewinn bei Autoren aus Büchern gibt? Hier weiß doch jedermann, dass es
wissenschaftliche Autoren gibt, die dafür bezahlen publiziern zu dürfen.
Und so mancher Autor hat seinen Bestseller in kurzer Zeit locker
herunter
geschrieben. Wenn Sie das Wort Leistung ernst nehmen, kommen Sie da auf
bemerkenswerte Stundenlöhne, denen man das Wort Wucher getrost zuordnen
könnte.

Und wieso ist VDM dafür ein Beleg?

Bei VDM wird nach mehrfacher Kritik (und der Diskussion in Inetbib),
noch
weniger als bei seriösen Verlagen auf Qualität bzw. Leistung geachtet,
weil es weitgehend unwichtig ist, ob Kopien aus Wikipedia,
Diplomarbeiten,
etc. Publikationswürdig sind.

Es stimmt auch nicht, dass die Investitionen des Verlages um so höher
sind
um so höher die Auflage ist, Auflage ist nur ein Kostentreiber, Umfang
und
Ausstattung und Bearbeitung aber viel wesentlicher.

Bis lang, als Pergament, Papier, Setzerei, Buchdruck, Transport noch
sehr
teuer waren, machte die Finanzierung der Auflagenzahl den größten Teil
der
Investition aus. Dass sich das heute durch die Digitaliserung geändert
hat, ist ja gerade das worauf ich wiedeholt hinweise. Dabei ist die
Reklame für gezielte Publikationen in den Verlagen immer bedeutsamer
geworden. Ihr Hinweis auf  die Kosten für Ausstattung und Bearbeitung
bezieht sich sicher nicht auf VDM etc., da das ja die Autoren leisten.

Wie also konnten Sie sich an etwas gewöhnen, was nicht stimmt?

Die lesende Gesellschaft ist noch zu stark an die veralteten Bedingungen
gewöhnt, nicht an das digitaliseirte Zeitalter. Wollen oder können Sie
meine Sätze nicht verstehen?

Und wer tut so, als müsste man bei POD auflagenbezogen vorinvestieren?

Wenn Sie noch mal lesen, was ich schrieb, so war genau das meine
Aussage,
dass Verlage früher vorinvestieren mussten, was nun in diesem Bereich
entfällt. Das sind die klassischen Scheingefechte, wo man dem Gegner
Unsinn unterstellt, um dann sagen zu können es sei Unsinn. Das gelingt
in
Gesprächen immer wieder gut. In schriftlichen diskussionen, ist das
schwieriger, weil es jeder nachlesen kann.

Dass höhere Verkäufe höhere Honorare rechtfertigen hat auf Forderug der
Autorenverbände der Gesetzgeber kodifiziert. Da haben Sie wohl eine
eigenwillige Sicht.

Und genau das ist der Punkt. Das war früher eher gerechtfertigt, wird
aber
nun immer unsinniger - es so zu kodifizieren.

Ihr Statement ist reichlich rätselhaft.

Es ist nicht rechtlich rätselhaft, sondern ein Gedanke, über den es sich
lohnen würde mal genauer nachzudenken, weil das Internet und
insbesondere
die Informationstheorie unabweisbare Konsequenzen hat - auch für das
Verlagswesen und das Urheberrecht.

Für die Verlage ist es also nur eine Frage der Zeit, wie lange sie
eine Entwicklung bremsen können. Vermeidbar ist dieser Fortschritt auch
im
Rechtsempfinden einer Wissenschaftsgesellschaft mit Sicherheit nicht.
Dass
ist das schöne am Wissen, man kann sich darauf verlassen, dass es sich
durchsetzen wird, evolutionär oder revolutionär ;-)

MfG

W. Umstätter


Am 20.10.2011 um 11:51 schrieb "Walther Umstaetter"
<walther.umstaetter@xxxxxxxxxxxxxxxx>:

Eigentlich ist dieses Verlagskonzept ein schöner Belge dafür, dass im
Bereich der Publikation weder Leistungs- noch Sachgerecht bezahlt
wird.
Nur weil wir uns daran gewöhnt haben, dass Verlage früher um so mehr
Geld
vorlegen mussten, je höher die Auflage sein sollte, tut man so, als
müsste
das im publishing on demand auch heute noch gelten. Es ist schlichter
Unsinn, und hochgradig ungerecht, dass Publikationen mit hohen
Auflagen
Autoren reich machen. Ein gerechtes Urheberrecht sollte so sein, dass
Qualität und Leistung honoriert wird und nicht der Unsinn in höchster
Auflagenzahl.

Man kann sich ja bei Amazon die Titel und Preise bei VDM Verlag,
"Lambert
Academic" und Akademikerverlag ansehen.

MfG

W. Umstätter

Sehr geehrte Frau Pampuch,

ich wurde schon früher mit VDM konfrontiert: wie wird denn dieser
Verlag unter Fachkreisen allgemein eingeschätzt?

auch bei netbib findet sich so einiges an Einschätzungen zu diesem
Verlag:
http://log.netbib.de/?s=vdm


Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Plieninger

--
Dr. Jürgen Plieninger
07071 - 297 61 41
mailto:juergen.plieninger@xxxxxxxxxxxxxxxx
http://homepages.uni-tuebingen.de/juergen.plieninger/


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Professionelle Internetrecherche und Wissensmanagement
http://www.recherchieren-im-internet.eu/
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