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Re: [InetBib] Professionalisierung durch Identitätsverzicht?





meine Lesung hingegen: es scheint ein Naturgesetzt zu sein, dass sich Mailinglisten von Diskussionsforen zu Annoncierungsplattformen entwickeln. Eine echte offene Diskussionskultur scheint sich nicht überall durchzusetzen. Von meinen 30 abonnierten Listen liefern vielleicht drei echte kontinuierliche Fachdiskussionen. Die AMA-session hat das bei inetbib auf eine sehr erfrischende und konstruktive Weise aufgebrochen. Ich denke nicht, dass man das auf das Stichwort "Informatik" reduzieren muss. Gleichwohl sind damit anscheinend Fragen verbunden, die viele hier umtreiben. Ich würde aber denken, dass vielleicht eine AMA-Session einer auskunftsfreudigen Bibliotheksdirektorin, Fachreferentin, Sondersammlungsbetreuerin etc ebenso goutiert würde.

Viele Grüße, Patrick Sahle


Am 10.03.2017 um 10:37 schrieb Winfried Gödert via InetBib:

Liebe Listenleser,

in dieser Woche bot diese Liste für einen in die Jahre gekommenen Freund informationeller Professionalisierung ein eigenartiges Schauspiel. Vordergründig wurde ein Frage- und Antwortspiel zu Themen aller Art in einem dem Zeitgeist entsprechenden Format geboten, AmA genannt. Also eigentlich nichts, das nicht im Rahmen des Listengeschehens üblich wäre. Oder ist eine vermutlich unfreundliche Beschreibung zutreffender? Die liest sich so. Ein sich selbst als partiell nicht wissend bezeichnender Mensch wird von Menschen mit Fragen, also ebenfalls nicht wissenden, gebeten, Stellung zu diesen Fragen zu beziehen. Eine inhaltliche Grenzziehung ist dabei nicht sichtbar, soll es in dem Format nicht geben. Wir können aber beobachten, dass der fachliche Bezug der Liste eben doch für eine Konzentration auf professionelle Fragen sorgt, sogar auf Fragen, die in vorherigen Zeiten Kernfragen professionellen Wissens waren. In jüngeren (schon wieder verflossenen?) Zeiten sollte Schwarmintelligenz das Mittel der Wahl für ihre Beantwortung sein. Nun erwartet man die Antworten wieder von einem Einzelnen - einem Orakel, einem Guru, einem Weisen? Nein, viel zeitgeistiger - einem Informatiker. Welches Bild des professionellen Selbstverständnisses dürfen wir daraus gewinnen? Eines zur Stärkung der Professionalisierung und der so häufig beschworenen Informationskompetenz? Folgen Information Professionals nun der Empfehlung: Hast du ein Informationsproblem, frage einen Informatiker? Gäbe es für diese Antwort auch eine legitimierende Frage?

Viele Grüße

Winfried Gödert




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