[Date Prev][Date Next][Thread Prev][Thread Next][Date Index][Thread Index]

Re: [InetBib] PROJEKT DEAL UND SPRINGER NATURE VEREINBAREN RAHMEN FÜR WELTWEIT UMFANGREICHSTEN OPEN ACCESS-TRANSFORMATIONSVERTRAG



Ich hoffe, dass sich hier bald eine intensive Diskussion um den SP-Deal entwickelt. Also los!

Insgesamt stimme ich zu, dass das Ganze ein wichtiger Schritt in Richtung einer umfassenden, wenn nicht vollständigen OA-Transformation ist. So wird es zweifellos in absehbarer Zeit geschehen. Daher ein Dank an die Allianz. "Leider" ist es so, dass auf dem Weg dahin wohl immer Kompromisse geschlossen werden müssen. Neben Anderem ist mir noch ein Detail besonders problematisch bzw. ungekärt. Ich teile nicht die Sicht von Herrn Franke, das sich die Kosten für einen einzelnen Artikel jetzt ins Verhältnis zu den bisherigen Subskriptionskosten berechnen. Ich meine verstanden haben, dass durch den deal ca. 3,5 Mio bereitgestellten werden, mit denen 13.000 Artikel/Jahr OA gestellt werden können und dass dann die €2.750 für jeden Artikel eines Autors von der für ihn zuständigen Bibliothek entrichtet werden muss. Ist dem so?  Weiter kann man wohl auf alle, also auch auf alle Nicht-OA-Artikel bei SP zugreifen, aber nur "lesend".  Was heisst das? Können diese Artikel  also nicht auf Sticks gespeichert oder ausgedruckt werden (sind also durch DRM geschützt?), und können sie z.B. auch nicht, wie es sogar im UrhG vorgesehen ist, für die lokalen Zwecke von Forschung und Lehre in vollem  Umfang  öffentlich zugänglich gemacht werden? Und wie ist der Zugriff organisiert? Hoffentlich nicht dadurch, dass man jetzt in die Räume der Bibliotheken gehen muss, um dort zu lesen! Und wie wird dieser Zugriff finanziert? Durch Subskriptionsgebühren wie bislang, wobei der Anteil der OA-Beiträge davon abgezogen wird?

Vieles wäre einfacher zu beantworten, wenn das Memorandum of Understanding öffentlich gemacht würde. Ich finde es, auch wenn es üblich sein mag, unangemessen, dass ein Vertrag, auch bzw. besonders wenn es nur ein Memo ist, nicht öffentlich einsehbar gemacht wird. Die Vertragspartner der Allianz sind öffentlich finanzierte Organisationen. Wie können sie sich auf eine solche "Geheimdiplomatie" einlassen!

RK

Am 26.08.19 um 09:27 schrieb Franke, Fabian via InetBib:
Liebe Frau Geschuhn,

herzlichen Dank für Ihre ausführliche und für mich vollkommen nachvollziehbare Antwort. Nun habe ich noch eine Frage zu der von Ihnen 
erwähnten Kostenneutralität. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass sich die PAR-Gebühr zunächst einmal berechnet, indem die 
bisher in Deutschland insgesamt an den betreffenden Verlag bezahlten Lizenzierungsgebühren durch die Anzahl der von an deutschen 
Wissenschaftseinrichtungen tätigen corresponding authors in Zeitschriften dieses Verlags publizierten Artikel geteilt wird. Das würde 
zunächst Kostenneutralität im Gesamtsystem bedeuten, die sich natürlich im Wettbewerb verändern kann, wenn mehr oder weniger 
Artikel bei dem Verlag publiziert werden.

Nun wundert es mich allerdings, dass bei Springer Nature laut Memorandum of Understanding dieselbe 
PAR-Gebühr von 2.750 Euro wie bei Wiley angesetzt wird, die wohl eine deutliche Erhöhung 
der Gesamtkosten bedeutet. Könnten Sie das noch erläutern?

Vielen Dank und beste Grüße

Fabian Franke


Dr. Fabian Franke
Direktor der
Universitätsbibliothek Bamberg
Feldkirchenstr. 21
96052 Bamberg
Tel.: +49 951/863-1500
Fax: +49 951/863-1565
E-Mail: fabian.franke@xxxxxxxxxxxxxx
URL: http://www.uni-bamberg.de/ub/



-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: InetBib [mailto:inetbib-bounces@xxxxxxxxxx] Im Auftrag von Geschuhn, Kai 
Karin via InetBib
Gesendet: Montag, 26. August 2019 08:40
An: inetbib@xxxxxxxxxx
Betreff: Re: [InetBib] PROJEKT DEAL UND SPRINGER NATURE VEREINBAREN RAHMEN FÜR 
WELTWEIT UMFANGREICHSTEN OPEN ACCESS-TRANSFORMATIONSVERTRAG

Sehr geehrter Herr Prof. Kuhlen,

vielen Dank für Ihre Reaktion und Ihre kritischen Anmerkungen zur neuen 
DEAL-Vereinbarung. Sie werfen wichtige Fragen auf, die ich im Folgenden versuchen 
möchte, zu beantworten.

Projekt DEAL ist angetreten, bundesweite Lizenzverträge mit den drei großen Wissenschaftsverlagen zu verhandeln, zunächst 
einmal, um den Zugang zu den Inhalten dieser Verlage für ALLE Wissenschaftseinrichtungen maßgeblich zu verbessern, und das zu 
fairen Konditionen. Dieses Ziel ist erreicht worden: sowohl der Wiley-Vertrag als auch der zukünftige Springer Nature-Vertrag 
ermöglichen den berechtigten Einrichtungen eine Teilnahme im Rahmen der bisherigen lokalen Bibliotheksausgaben für diese Verlage, 
jedoch erhält man dafür nun Zugriff auf das GESAMTE Zeitschriftenportfolio der Verlage. Ebenso können die zahlreichen 
Fachhochschulen und kleineren Wissenschaftsstandorte teilnehmen, die zuvor überhaupt nicht oder nur in sehr kleinem Umfang lizenzieren 
konnten.
Sie schreiben „Ich hatte mir das einmal ganz anders für DEAL vorgestellt. Ich dachte, DEAL bezahlt pauschal einen 
sicherlich hohen Betrag an die Verlage (…), und dann können alle Wissenschaftler in Deutschland die Springer-, 
Wiley-Produkte nach OA-Prinzipien nutzen.“ Ich bin mir nicht sicher, ob ich Sie hier richtig verstehe: Durch die 
DEAL-Verträge können nun die Wissenschaftler*innen an deutschen Forschungs- und Hochschuleinrichtungen auf die 
Zeitschriften der Verlage nahezu vollumfänglich zugreifen, eine Nutzung zu OA-Prinzipien kann jedoch nach wie vor nur bei 
jenen Artikeln möglich sein, die unter einer freien Lizenz publiziert wurden, entweder hybrid in den 
Subskriptionszeitschriften oder in reinen OA-Zeitschriften.

Hier setzt allerdings das zweite Prinzip der DEAL-Verträge an: Sie stellen sicher, dass die Publikationen von Wissenschaftler*innen an deutschen 
Einrichtungen im Open Access erscheinen. Damit steigt der Anteil der frei verfügbaren Artikel in den Zeitschriften dieser Verlage weiter an, und je 
mehr Bibliotheken und nationale oder regionale Konsortien weltweit ähnliche Verträge verhandeln, desto näher kommen wir an einen Punkt, an 
dem das Standard-Subskriptionsmodell für wissenschaftliche Literatur abgelöst wird von einem publikationsbasierten Open Access-Modell. Für 
viele der etwa 20 Verlage (darunter die drei Großverlage Elsevier, Wiley, Springer Nature plus zahlreiche Fachgesellschaften wie die ACS, RSC, APS 
etc.), bei denen zusammengenommen etwa 80 % des deutschen Publikationsoutputs erscheinen, bietet es sich an, die bisherigen Subskriptionskosten in Open 
Access-Artikelgebühren umzuwandeln und diese, genau wie Sie es beschreiben, aus jenen Bibliotheksbudgets zu bestreiten, aus denen zuvor die 
Zugänge finanziert worden sind. Das entspricht grundsätzliche dem Ansatz der Open Access-Transformationen: Anstatt mehr und mehr 
zusätzliche Mittel in das Gesamtsystem zu spülen, sollen die vorhanden Mittel, die Bibliotheken seit Jahr und Tag für den Erwerb von 
Lizenzen und Subskriptionen aufwenden, umgewidmet werden.

Damit beenden wir das viel kritisierte „Double Dipping“ der Verlage: Es lässt sich leider nur vermuten, in 
welchem Umfang Wissenschaftsautor*innen jährlich Mittel für das Open Access-Publizieren außerhalb der 
institutionellen Publikationsfonds aufwenden, es sind aber sicher keine kleinen Beträge. Die Open Access-Finanzierung zu 
institutionalisieren ist so gesehen ein bewusstes Ziel, um die Gesamtkosten des wissenschaftlichen Publikationssystems im Zaum 
zu halten und diese überhaupt perspektivisch steuern zu können.
Sie fragen „Wie steht es im Übrigen mit den vielen anderen Artikeln in den 1900 kommerziellen Springerzeitschriften, die nicht von Autoren an den 700 an 
DEAL beteiligten Organisationen produziert werden? Sind dann weiter anteilige Subskriptionsgebühren zu bezahlen?“ Wie eingangs dargelegt, können die 
Angehörigen der teilnehmenden Einrichtungen tatsächlich nahezu alle Inhalte der Zeitschriftenportfolios der im Rahmen von Projekt DEAL verhandelten 
Verträge lesen, und nicht nur die Artikel ihrer eigenen Autor*innen, für welche OA-Publikationsgebühren bezahlt wurden. Tatsächlich enthalten die 
Artikelgebühren aber noch anteilige Subskriptionskosten in der sogenannten „Publish and Read“-Fee (PAR Fee). Die PAR Fee ist deshalb auch noch nicht 
als eine marktübliche APC zu bewerten, sie reflektiert die spezifische Kostensituation in Deutschland, d.h. grob gesagt die gesamten deutschen Bibliotheksausgaben 
geteilt durch das durchschnittliche Publikationsaufkommen aus Deutschland für den jeweiligen Verlag. Das PAR-Modell stellt ein Zwischenstadion dar, welches 
schrittweise weiter in ein rein publikationsbasiertes Preismodell umgewandelt werden wird.

Sie sagen „Besonders viel werden Hochschulen mit publikationsintensiven Forschern zahlen müssen“. Das ist 
wohl der am heißesten diskutierte Punkt im Kontext der Open Access-Transformation. Wie beschrieben, ist es gelungen, die 
Verhandlungsziele im Rahmen der bisherigen Ausgaben der deutschen wissenschaftlichen Bibliotheken für die entsprechenden 
Verlage zu erreichen. Beim Wiley-DEAL-Vertrag wird gegenüber dem Verlag publikationsbasiert bezahlt, d.h. Wiley rechnet mit 
der MPDL Services GmbH jede Publikation berechtigter Autor*innen in Höhe der PAR Fee (2.750 EUR ) ab. Die Kosten für 
den Beitritt einer einzelnen Einrichtung bemessen sich aber zunächst weiterhin an den jeweiligen bisherigen 
Subskriptionsausgaben bei dem Verlag.
Über den Vertragszeitraum hinweg ist jedoch der Umstieg auf das Publikationskostenmodell auch auf Ebene der einzelnen 
Einrichtungen geplant. Es ist völlig richtig, dass das, was sich für Gesamtdeutschland so schön kostenneutral 
darstellt, lokal zu Verschiebungen und zum Teil auch zu Mehrkosten bei einzelnen Verlagen führen kann. Pauschal kann 
ich Ihrer Aussage, dass dies Hochschulen mit publikationsstarken Forschern betrifft, aber nicht zustimmen. Nicht das lokale 
Publikationsaufkommen an sich ist entscheidend, sondern in welchem Verhältnis es zu den bisherigen 
Subskriptionsausgaben steht. Publikationsintensive Standorte mögen ebenso vergleichsweise hohe Subskriptionsausgaben 
haben. Ohne die Problematik perspektivisch steigender Kosten für einzelne Einrichtungen bei einigen Verlagen einfach 
vom Tisch wischen zu wollen, spricht aus einer Informationsversorger-Perspektive heraus dennoch Vieles dafür, diesen 
Weg selbst dann mitzugehen:

- Die Umstellung erfolgt schrittweise. Die mehrjährigen DEAL-Verträge bieten einen Rahmen für lokale 
Reorganisationsprozesse wie z.B. der Zentralisierung der OA-Finanzierung in der bibliothekarischen Erwerbung. Haushaltsplanung und 
Budgetierung können in diesem Zeitraum überprüft und angepasst werden. Gleichfalls lassen sich Möglichkeiten 
eruieren, um Gewinner-Verlierer-Szenarios solidarisch auszubalancieren, etwa auf Bundesländerebene. Darüber hinaus entstehen 
Förderprogramme, um lokale Härten in der Transformationsphase auszugleichen.
- Einsparungen auf anderen Ebenen, z.B. bei Verlagen, bei denen sich das Verhältnis 
Publikationskosten-bisherige Subskriptionskosten günstiger darstellt, können zur Finanzierung von 
Mehrkosten genutzt werden. Eingesparte „Double Dipping“ Hybrid-OA-Kosten aus Forschungsbudgets 
können ggfls. zentralisiert werden.
- Wie dargelegt, ist der derzeitige Level der PAR Fee nicht das letzte Wort. Sie bietet zum jetzigen 
Zeitpunkt vor allem einen Einstieg in ein transparenteres Bezahlmodell für die Kernverlage. Im 
Unterschied zum Subskriptionssystem entstehen die Kosten nun pro erbrachte Leistung und werden 
vergleichbar. Das Konzept der kundengesteuerten Erwerbung (Patron-Driven-Aquisition), das in 
Bibliotheken seit vielen Jahren im Bereich des Monographienerwerbs diskutiert und eingesetzt wird, 
lässt sich im Zuge der OA-Transformation auf den Zeitschriftenbereich übertragen. Anstatt 
beliebig wachsende Zeitschriftenpakete zu erwerben, wohl wissend, dass oft nur ein Bruchteil der Titel 
tatsächlich genutzt wird, werden bei der Finanzierung von Open Access-Publikationsgebühren 
Gelder direkt dort allokiert, wo eine unmittelbare Nachfrage entsteht.
Und nicht zum Schluss geht es in der Tat bei der OA-Transformation, genau wie Sie schreiben, darum, „das ganze Geld zur Unterstützung von OA-Produkten (einschließlich Monographien und Lehrbücher)“ zu verwenden. Das Verhandeln von Open Access-Verträgen mit den kommerziellen Großverlagen ist dabei ein essentieller Baustein einer Gesamtstrategie. Diese möchte eben nicht nur einfach Subskriptionen durch APCs ersetzen, sondern zielt darauf ab, die derzeitigen Finanzströme und das herrschende Geschäftsmodell zu durchbrechen, sodass überhaupt Mittel frei werden können, um alternative Publikationsinitiativen aus der Wissenschaftsumgebung, wie z.B. der Open Library of Humanities, SciPost, LIBRARIA, Language Science Press usw., und weitere Innovationen, die die digitalen Möglichkeiten für die Wissenschaftskommunikation endlich ausschöpfen, zu finanzieren.

Es gibt keine Gründe, anzunehmen, dass der Umstieg auf ein Open Access-Modell die Marktmacht der kommerziellen Großverlage 
weiter stärken wird. Zehntausende Artikel aus deutschen Wissenschaftseinrichtungen werden frei verfügbar und es werden ja 
gerade keine Nutzungsrechte mehr an den Verlag übertragen. Damit entsteht perspektivisch mehr und nicht weniger Wettbewerb, da 
nun eben nicht mehr nur die bisherigen Player berechtigt sind, Informationsprodukte darauf aufzubauen. Dass, wie Sie sagen, die 
Einnahmen für die Verlage jetzt sicher kalkulierbar sind, ist für den Wiley-Vertrag nicht ganz richtig, da tatsächlich 
nur das bezahlt wird, was publiziert wird. Auch in diesem Sinne ist das Pay-as-you-publish-Modell eine Verbesserung gegenüber 
mehrjährigen vorausbezahlten Subskriptionsverträgen.

Die DEAL-Vereinbarungen können doch gegenüber dem bisherigen Status Quo nur als Verbesserung 
gesehen werden, sowohl in Bezug auf eine flächendeckende  Literaturversorgung in Deutschland als 
auch auf die praktische Umsetzung von Open Access in der Breite. Hinzu kommt eine zuvor nie dagewesene 
strategische Positionierung gegenüber den Verlagen, die dadurch möglich wurde, dass sich alle 
deutschen Wissenschaftsorganisationen mit den Zielen von Projekt DEAL solidarisiert haben.

Mit besten Grüßen
Kai Geschuhn

------------------------------

Message: 3
Date: Fri, 23 Aug 2019 15:44:21 +0200
From: Rainer Kuhlen via InetBib <inetbib@xxxxxxxxxx>
To: inetbib@xxxxxxxxxx
Subject: Re: [InetBib] PROJEKT DEAL UND SPRINGER NATURE VEREINBAREN
        RAHMEN FÜR WELTWEIT UMFANGREICHSTEN OPEN
        ACCESS-TRANSFORMATIONSVERTRAG
Message-ID: <b7c8ea87-31bd-4cf4-eece-3b88b1a5950b@xxxxxxxxxxxxxxx>
Content-Type: text/plain; charset=utf-8; format=flowed

Vielen Dank Frau Geschuhn - aber: is DEAL really a good deal? Man kann
das Memorandum of Understanding zwar nicht einsehen, aber das Ganze
sieht so aus wie ein institutionalisiertes umfassendes APC-Modell,
wobei, wie auch jetzt schon, das A durch B(sprich Bibliotheken)  zu
ersetzen ist. Insgesamt werden dadurch jährlich max. 13.000
Zeitschriftenartikel finanziert und weltweit OA gestellt, die sowohl in
Springer OA-Zeitschriften (600) als auch in (bislang) kostenpflichtigen
Zeitschriften (ca. 1900) erscheinen dürfen. Pro Artikel soll €2750
gezahlt werden und zwar von der Einrichtung des produzierenden
Wissenschaftlers, also wohl aus dem Bib-Budget. Besonders viel werden
Hochschulen mit publikationsintensiven Forschern zahlen müssen.
Profitieren werden davon aber natürlich alle. Es sieht so aus, dass der
große Gewinner des Deal die Verlage selbst sind, sind doch jetzt ihre
Einnahmen sicher kalkulierbar. Wie steht es im übrigen mit den vielen
anderen Artikeln in den 1900 kommerziellen Springerzeitschriften, die
nicht von Autoren an den 700 an DEAL beteiligten Organisationen
produziert werden? Sind dann weiter anteilige Subskriptionsgebühren zu
bezahlen? Welcher Aufwand, welche Bürokratie entsteht nun durch die
Abrechnung der einzelnen, dann OA-Artikeln. Jetzt hat man sich gerade im
UrhR von der Individualvergütung verabschiedet (vorübergehend
jedenfalls), nun kommt in großem Stil eine Individualabrechnung für
maximal 13.000 Beiträge auf die Bibliotheken zu und in der
Abwicklungskette bis zum Verlag.

Ich hatte mir das einmal ganz anders für DEAL vorgestellt. Ich dachte,
DEAL bezahlt pauschal einen sicherlich hohen Betrag an die Verlage
(vermutlich höher als die ca. 3,5 Mio, die durch den jetzigen Vertrag
mit Springer maximal zu  zahlen sind), und dann können alle
Wissenschaftler in Deutschland die Springer-, Wiley-Produkte nach
OA-Prinzipien nutzen. Ob die Wissenschaft bzw. die zahlende
Öffentlichkeit nicht besser damit fährt, wenn jeder Wissenschaftler
seinen Bedarf nach einem Artikel  über Dienst wie ScienceDirect direkt
deckte? Und wäre der Wissenschaft nicht sehr viel besser damit gedient,
wenn das ganze Geld zur Unterstützung von OA-Produkten (einschließlich
Monographien und Lehrbücher) aus der Wissenschaftsumgebung verwendet
würde. So wird das kommerzielle Verwertungsgeschäft für eine Weile noch
am Leben gehalten - über DEAL zunächst für 3, maximal für 4 Jahre.

Dann sieht die Publikationslandschaft sicherlich ganz anders aus. Und
bis dahin dürfen die kommerziellen Verwerter die Nutzungsrechte an den
Wissensobjeken aus der Wissenschaft kostenlos sich sichern und daraus
Informationsprodukte machen, für die die Öffentlichkeit dann wieder in
der einen oder anderen Form bezahlt. Sollte es nicht genau umgekehrt
sein, dass jeder Verlag an die Institution des Wissenschaftlers für
jedes Wisssensobjekt eine Lizenzgebühr bezahlt, damit er das dann aktiv
nutzen kann? Eine Utopie?  Ohne solche ändert sich aber nichts.

RK

Wie sehen das die Bibs in INETBIB

Am 22.08.19 um 10:40 schrieb Geschuhn, Kai Karin via InetBib:
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Open Access-Transformation nimmt weiter Fahrt auf: MPDL Services, im Auftrag von Projekt 
DEAL, und Springer Nature haben heute in Berlin ein Memorandum of Understanding (MoU) 
unterzeichnet, das den Rahmen für die umfassendste Open Access-Vereinbarung weltweit 
definiert. Die deutschen Subskriptionsausgaben für Springer-Zeitschriften werden damit ab 
2020 systematisch umgewidmet, um Publikationen deutscher Autor*innen bei Springer Nature frei 
verfügbar zu machen.

Springer Nature ist der zweitwichtigste Verlag für Deutschland, gemessen an der Zahl der Publikationen von deutschen Wissenschaftler*innen, die 
in den Zeitschriften des Verlages jährlich erscheinen. Das am 22. August 2019 zwischen Projekt DEAL und Springer Nature unterzeichnete 
Memorandum schafft die Grundlage für eine Transformationsvereinbarung, die eine Open Access-Gold-Komponente und ein "Publish and 
Read"-Element beinhalten wird. Deutsche Autor*innen können so jährlich rund 13.000 Artikel in den über 600 
Open-Access-Zeitschriften und in den 1.900 Subskriptionszeitschriften von Springer Nature open access publizieren. Darüber hinaus bietet das 
Modell der akademischen Gemeinschaft an den rund 700 teilnahmeberechtigten deutschen Wissenschaftseinrichtungen umfangreichen Lesezugriff auf die 
wissenschaftlichen Zeitschriften von Springer, Palgrave, Adis und Macmillan. Subskriptionszeitschriften der Marke "Nature" sind von der 
Read & Publish-Komponente ausgenommen, jedoch sind mit Nature Communications und Scientific Report die Veröffentlichungen in zwei der 
wichtigsten reinen Open-Access-Zeitschriften für Deutschland abgedeckt.

Die finale Vereinbarung soll noch in diesem Jahr abgeschlossen und veröffentlicht werden 
(das Memorandum of Understanding ist nicht öffentlich zugänglich).

Weitere Informationen zum MoU und zu den Teilnahmebedingung erhalten deutsche 
Wissenschaftseinrichtungen mit den Rundschreiben der Hochschulrektorenkonferenz. Die bislang 
vereinbarten Punkte des zukünftigen Vertrages sind zudem auf der Website von Projekt DEAL 
einsehbar. Dort finden Sie auch überarbeitete Hintergrund-FAQs zu den DEAL-Vereinbarungen 
für teilnehmende Einrichtungen und Autor*innen.

Lesen Sie hier die offizielle Pressemitteilung der HRK:

https://www.hrk.de/press/press-releases/press-release/meldung/projekt-deal-and-springer-nature-reach-understanding-on-worlds-largest-transformative-open-access-a/

Hintergrundinformationen zur internationalen Open Access-Transformation und den 
weltweit abgeschlossenen Transformationsverträgen finden Sie auf den Seiten der 
Initiativen Open Access 2020 und ESAC:

https://oa2020.org/
https://esac-initiative.org/guidelines/
https://esac-initiative.org/about/transformative-agreements/agreement-registry/

Mit besten Grüßen
Kai Geschuhn

(für MPDL Services GmbH und Projekt DEAL)


Ms. Kai Karin Geschuhn
Innovative Services & Open Access
Max Planck Digital Library
Amalienstraße 33 | 80799 München
Phone +49 (0) 89 38602 253
Fax +49 (0) 89 38602 290
geschuhn@xxxxxxxxxxx
www.mpdl.mpg.de
http://orcid.org/0000-0001-5849-8751



--
Prof. Dr. Rainer Kuhlen
Department of Computer and Information Science University of Konstanz, Germany
Member of the German Commission for UNESCO
UNESCO-ORBICOM-Chair in Communications (1998-2010)
Speaker of the German Coalition for Action "Copyright for Education and Science"
Chair of ENCES (European Network for Copyright in Support of Education and 
Science)
Website: www.kuhlen.name
Email: rainer.kuhlen@xxxxxxxxxxxxxxx



Listeninformationen unter http://www.inetbib.de.