Autoren: Blanche Kiszio, Nathalie Favre, Sandrine Ding
Institut et Haute Ecole de la Santé La Source, Lausanne
Ein E-Learning-Angebot zum Thema Informationskompetenz wurde im Rahmen eines Projekts der Bibliothek des Institut et Haute Ecole de la Santé la Source (HEdS-La Source, Lausanne), Haute Ecole de Santé Vaud (HESAV, Lausanne) und Cyberlearn (Schweiz) entwickelt. Das Projektteam bestand aus zwei wissenschaftlichen Bibliothekarinnen, einer Professorin und Informatikern. Die Informationskompetenz, d.h. die Fähigkeit, Informationen zu finden, zu bewerten und zu benutzen gehört zu den Schlüsselqualifikationen, denen in der Hochschullehre seit der Einführung der Bologna-Erklärung grosse Bedeutung beigemessen werden.
Zu Beginn des Projekts wurden die pädagogischen Ziele des Tutorials und jeder Lernkomponente definiert. Die Komponente Suchstrategie wurde in drei Teile gegliedert: Medline, CINAHL und der Bibliotheksverbundkatalog RERO. Ein Teilbereich der Informationskompetenz ist die Kenntnis effizienter Recherche- und Navigationsstrategien in den wichtigen gesundheitsspezifischen Datenbanken, um die relevanten wissenschaftlichen Artikel zu einer klar formulierten Fragestellung zu finden. Die zwei ersten Tutorials sollen dazu befähigen, die Datenbanken Medline und CINAHL auf ihre spezifischen Eigenschaften zu erkunden und eine methodische Suchstrategie zu entwickeln. Das Tutorial ist logisch aufgebaut und orientiert sich am Ablauf des Rechercheprozesses. Der dritte Teil RERO bietet die Grundlagenkenntnisse zur Vorbereitung und Durchführung einer Literatursuche im Bibliotheksverbundkatalog RERO. Die Lernkomponente Informationsverarbeitung hat zum Ziel, bei der Aufbereitung der gefundenen Literatur zur Verwendung in einer wissenschaftlichen Arbeit methodische Arbeitsweise zu übermitteln. Das Online-Tutorial bezieht sich auf die Literaturverwaltungsprogramme Zotero und Endnote. Es beantwortet Fragen zum Zitieren und Erstellen eines Literaturverzeichnisses.
Die Tutorials sind in sechs oder acht Module zu je ca. sechs Minuten gegliedert. Neben statischen Inhalten sind auch interaktive und dynamische Elemente integriert: Animationen, Screen-Videos, Links, die zu externen Hinweisen führen, Audio-Kommentare und Musik. Endnutzer können auf fakultative Übungen zugreifen, wie z.B. ein didaktisches Quiz in Multiple-Choice-Form. Förderlich für den Lernprozess sind auch die Integration von Fragestellungen aus der Praxis der Pflege und die darauf folgenden Lernseiten. Die Nutzer des Tutorials sollen damit die aufgezeigten Probleme auf ihre eigene Situation beziehen können. Das E-Learning-Angebot wird neu in Erweiterung zum Präsenzunterricht in den Westschweizer Fachhochschulen vorgeschlagen. Während des Präsenzunterrichts werden die Studierenden ausdrücklich angeregt, das Online-Tutorial im Rahmen des Selbststudiums zu nutzen. Fragen dazu können sie in einem späteren Seminar mündlich an die wissenschaftlichen Bibliothekarinnen stellen. Dank dem Tutorial kann die Präsenzsituation mit den Studierenden stärker dazu genutzt werden, Recherchestrategien und die Wahl der Schlagwörter gemeinsam zu besprechen, alternative Recherchemöglichkeiten vorzustellen und deren Vor- und Nachteile zu diskutieren. Ein Teil des Tutorial ist im Internet frei abrufbar: Cyberlearn
Da sich die Informationsangebote der Datenbanken inhaltlich und gestaltungsmäßig stetig ändern, werden die Lernkomponenten Suchstrategie und Informationsverarbeitung systematisch weiterentwickelt und überarbeitet. Die didaktischen Vorzüge dieser Lernmethode haben das Projektteam dazu motiviert, weitere Teile zu integrieren. So ist ein Tutorial zu den Suchstrategien mit Google Scholar vorgesehen. Als neue Lernkomponente ist die Bewertung der Quellen geplant. Während der Recherche müssen die Studierenden überlegen, welche Dokumente für ihr Thema geeignet sind und ob die Qualität der Publikationen für eine wissenschaftliche Arbeit ausreicht.
Ausserdem wird das Online-Tutorial im Rahmen eines Projekts BEST (Bureau d’échange de savoirs pour des pratiques exemplaires) des Spitals CHUV in Lausanne und der Fachhochschulen HEdS-La Source und HESAV eingesetzt. Das Projekt BEST strebt an, verfügbare wissenschaftliche Evidenz im Zusammenhang mit spezifischen Fragestellungen bezüglich klinischer Effektivität aus den Disziplinen Krankenpflege, Hebamme, Physiotherapie und medizinisch-technische Radiologie zu suchen, zu sammeln oder in Form von systematischen Literaturreviews zu erarbeiten.