Dr. Karsten Schuldt
Schweizerische Institut für Informationswissenschaft, HTW Chur
Armut, beziehungsweise die Soziale Schicht, gilt als ein Hauptkriterium des Digital Divide. Sowohl die Frage, wer (materiell) Zugang zu welchen elektronischen Geräte hat als auch die mit der Sozialen Schichtung verbundenen Bildungskarrieren und -möglichkeiten scheinen einen wichtigen Beitrag dazu zu leisten, wie Menschen die Möglichkeiten der Digitalen Medien und Kommunikationswege tatsächlich nutzen.
Nicht nur Bibliotheken selber, sondern auch die Öffentlichkeit und vor allem die Politik sehen in der Ausstattung von Öffentlichen Bibliotheken mit Computerarbeitsplätzen, WLAN-Zugängen, Kursen und der Gestaltung der Einrichtungen als "Safe-Haven" eine Möglichkeit, diesem Umstand abzuhelfen. Mit einer solchen Ausstattung sollten Bibliotheken – so die verbreitete Vorstellung – Personen, die bislang die Bibliothek nicht nutzen, weil sie darin keinen Sinn sehen, ansprechen und zur Nutzung von digitalen (und darüber hinaus auch anderen) Medien ermächtigen. Der Vortrag soll diese Vorstellung problematisieren.
(a) Dargestellt wird, wie Armut tatsächlich auf den Digital Divide wirkt, (b) welche Möglichkeiten tatsächlich bestehen, dem Digital Divide entgegenzuwirken und (c) ob Bibliotheken mit ihren Angeboten wirklich die positiven Beiträge leisten können, die ihnen zugeschrieben werden. Abschliessend soll (d) gefragt werden, ob Bibliotheken ihre Tätigkeiten auf dem Gebiet des Digital Divide wirksamer gestalten müssen und können.