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Elektronische Wegelagerer



Liebe Kolleginnen und Kollegen,


der folgende Punkt geht wohl etwas ueber den Themenkreis Internet hinaus; er
scheint mir aber damit in Zusammenhang zu stehen, dass zunehmend
Online-Datenbanken ueber WWW abonniert werden koennen.

Bei einem solchen Abo ist es zunaechst verstaendlich, dass ich nur solange
Zugriff auf die Daten habe, solange das Abo laeuft; wenn ich kuendige, habe
ich eben nichts mehr in der Hand.

Nun versuche einige Anbieter, dieses Schema, nach dem ich Daten nicht kaufe,
sondern nur zeitlich begrenzt 'miete', auf CD-ROMs zu uebertragen. So wurde
mir heute von Primary Source Media erklaert, die CD-ROM Gale Directory of
Databases enthalte einen Mechanismus, der nach Ablauf eines Jahres  den
Zugriff auf die Daten verhindert; d.h., wenn ich die Scheibe nicht abonniert
habe und regelmaessig durch Updates austausche, ist das, was ich physisch in
Haenden halte, nach einem Jahr wertlos, was unter Umstaenden durchaus ein
Schaden ist, da ja auch eine nicht permanent aktualisierte Datenbank  fuer
eine gewisse Zeit zumindest durchaus noch nutzbringend befragt werden kann.
Wenn eine solche Regelung nun noch mit Preisen verbunden ist wie bei Primary
Source, kommt mir diese Politik doch ziemlich dreist vor: Das (beliebig
lange der Bibliothek zur Verfuegung stehende)  Druckwerk kostet GBP 290, die
(ein Jahr einsatzfaehige) CD GBP 460;  d.h., man muss fuer den
elektronischen Mehrwert stolze GBP 170 mehr bezahlen, und in einem solchen
Preis sollte doch die Option eingeschlossen sein, die CD solange zu nutzen,
solange man dies fuer sinnvoll erachtet.


Der jaehrlich faellige Preis fuer das Directory of Databases via WWW liegt
etwas unter der CD; und konsequenterweise muesste man sich ueber diesen
Mietpreis wohl auch ereifern; es ist eben nur so, dass wenn man schon eine
physische Einheit geliefert bekommt (wie im Falle der CD) es einem besonders
aufstoesst, dass dieses Objekt automatisch nach einem Jahr wertlos ist,
waehrend bei gedruckten Materialien irgendwelche
Selbstzerstoerungsmechanismen meines Wissens nicht gaengig waren. Aber man
sollte wohl wirklich nicht beim Unmut ueber solche CDs haltmachen: Warum
sollte man es nicht auch als fair einfordern, dass man sich, sofern man dies
will, nach der Stornierung eines (Nur-)Online-Abos den aktuellen Datenstand
auf einem Datentraeger aushaendigen lassen kann, zum beliebigen weiteren
Gebrauch? Zumindest dann, wenn der Online-Zugang nicht gerade fuer ein
Butterbrot zu haben ist und die Kosten fuer eine Druckversion uebersteigt
(d.h., wenn man fuer den elektronischen Mehrwert bezahlt hat)?


Der Sinn dieser dubiosen Praxis ist allzu klar; man zoegert natuerlich eher,
etwas abzubestellen, wenn man danach ueberhaupt nichts mehr in Haenden hat;
und die Rechnung der Bibliotheken, die eine teure und eher als Luxusgut denn
als taegliches Brot einzustufende Datenbank nur alle paar Jahre
aktualisieren wollen, soll nicht aufgehen - aber man kann nur hoffen, dass
die Rechnung der diese Praxis anwendenden Verleger auch nicht immer aufgeht. 


Peter Stoll



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Dr.Peter Stoll
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