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Widersprüche in der Informationspolitik



Bekannt ist ja wohl auch hier, dass das BMBF seit 8/04 mit einer Laufzeit von 5 Jahren und mit einem Projektvolumen von über 6 Mio Euro das Vorhaben eSciDOC als Open-Access-Publikationsplattform für die Forschung (in Zusammenarbeit MPI und FIZ Karlsruhe) fördert. Vergleicht man diese von der Bundesregierung über das BMBF vertretene offene Publikationspolitik mit den Zielsetzungen und Formulierungen des jetzt gültigen Urheberrechts und erst recht mit denjenigen aus dem Zweiten Korb (hier § 53a), so kann man eigentlich nur staunen über die Widersprüchlichkeit der deutschen, aber natürlich auch der europäischen und internationalen Informationspolitik.

Auf der einen Seite wird durch das BMBF ein öffentliches Gegengewicht zu der zunehmenden Kommerzialisierung von Publikations- und Dokumentlieferungssystemen (z.B. durch Dienste der großen Verlage wie Elsevier, aber auch Springer) gesetzt, zum andern dürfen diese neuen, mit öffentlichen Mitteln unterstützten Dienste dann nicht mehr, z.B. durch die Bibliotheken angeboten werden, wenn der Markt ein vergleichbares Angebot von sich aus bereitstellt. Das ist ja letztlich die Konsequenz des Regelungsvorschlags von § 53a (Kopienversand auf Bestellung) (der Entwurf ist allerdings jetzt auf Grund der Intervention des Kanzlers auf Eis gelegt - u.a. hat Bitkom Protest eingelegt).

Noch mehr staunt man, wenn man in einer Meldung vom 29.4.2005 liest, dass die Regierungen von Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und Ungarn sich gestern mit einem Vorschlag an die Kommission und den Präsidenten der Europäischen Union gewandt haben, bei dem es um die Schaffung einer gemeinsamen europäischen Computer-Bibliothek geht. Auch Schröder hat unterschrieben.
Frz. Meldung unter http://elysee.fr/elysee/francais/interventions/lettres_et_messages/2005/avril/message_a_propos_de_la_creation_d_une_bibliotheque_numerique_europeenne.29633.html


Diese "bibliothèque numérique européenne" soll das kulturelle und wissenschaftliche Erbe der Mitgliedsländer auf dem Computer zugänglich machen. Auf der großen Bühne sollen die Bibliotheken spektakulär das kulturelle Erbe sichern, in Deutschland selber sollen sie gegenüber dem Markt marginalisiert werden.

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Prof. Dr. Rainer Kuhlen
Department of Computer and Information Science - University of Konstanz
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