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Re: [InetBib] Klartext: Suppenküche Öffentliche Bibliothek



Sehr geehrter Herr Schöpe,

in der Umsetzung ist das sicher noch sehr vage. Zunächst sehe ich einen Vorteil 
darin, dass die Bibliothek im Lesesaal die Gesamtheit der Medien anbieten 
könnte und nicht auf irgendeine Bestandsbindung angewiesen wäre. Vor allem für 
kleine Stadtbüchereien wäre das schon ein riesen Fortschritt, auch wenn es nur 
an den Bibliotheksterminals gelten würde. 
Dass bei Jugendlichen die Eltern mitprofitieren lässt sich nicht verhindern, 
das hoffe ich den Verlegerkollegen aber verkaufen zu können, wenn man davon 
ausgeht, dass das doch nicht so viele machen und dass es für die Kinder auch 
ein "Turbo" ist, wenn sie mit ihrem Nutzerausweis etwas bekommen, worauf ihre 
Eltern scharf sind. Da sehe ich eher den positiven Effekt der Leseförderung als 
die entgangenen Erlöse.
Problematischer finde ich die Lösung bei der Nutzung für Arbeitslose, 
Behinderte, Sozialhilfeempfänger etc. Möglicherweise geht das über besondere 
Leseausweise oder Kultur-Cards, wie sie in einigen Kommunen geplant sind oder 
schon existieren.

Danke für die konstruktive Anmerkung!

Matthias Ulmer



Am 11.10.2012 um 23:30 schrieb Rolf Schöpe <r-idel@xxxxxx>:

Sehr geehrter Herr Ulmer,

Mein Vorschlag war: dicht am formulierten Auftrag wird der Kreis der Nutzer 
immer weiter gezogen und der Tarif für die Bibliothek entsprechend 
ausgerichtet. 
Das beginnt mit der Nutzung im Lesesaal, was praktisch keine Ausleihe ist 
und von den Verlagen quasi kostenlos angeboten werden könnte.
Dann folgen die Kinder und Jugendlichen in der Kommune sowie die sozial 
Schwachen in der Kommune. Hier sehe ich keine Konkurrenz zu 
Geschäftsmodellen von Verlagen und der Tarif könnte entsprechend sehr 
niedrig sein.
Danach kommen die normalen Bürger einer Kommune. Hier ist die Konkurrenz zu 
Verlagsangeboten direkt, die Vertriebsleistung der Bibliothek aber auch zu 
bewerten, der Tarif müsste irgendwo  in der Mitte liegen.
Und schließlich kommen Nutzer außerhalb der Kommune, hier wäre der Tarif 
etwa identisch mit dem aus einem kommerziellen Modell.
Es wäre nun Aufgabe der Kommune zu entscheiden, wie weit sie den 
Bildungsauftrag ihrer Bibliothek fassen wollen, was sie als originäre 
Aufgabe einer Kommune betrachten.

An und für sich eine nette Idee. Aber an einigen Stellen hakt sie dann
doch sehr.
Nutzer außerhalb der jeweiligen Kommune lassen sich über die Adresse
leicht erkennen. Das ist kein großes Problem.
Reine Lesesaalnutzung lässt sich auch noch recht einfach umsetzen - wenn
Sie die Bibliotheksnutzer dazu zwingen, sich die Dokumente
ausschließlich an hermetisch abgeriegelten Geräten anzuschauen. Mit so
einem Vorgehen macht man aber nur Werbung für Papierbücher. Was bringt
das beste E-Book, wenn man seine Vorteile nicht nutzen kann, weil man es
nur an einem verplombten Gerät nutzen darf?
Spätestens am Punkt "Kinder und Jugendliche" dürften viele Verlage aber
auf stur schalten, weil die Medien ja theoretisch auch von den Eltern
über das Konto des Kindes ausgeliehen werden könnten, welche ansonsten
ja ein Exemplar gekauft hätten (die Argumentation ist mir jedenfalls aus
dem Bereich der illegalen Downloads bekannt, da wird ja auch jeder
einzelne Download als nicht verkauftes Exemplar gezählt). Und wenn für
das jeweilige Konto nur "altersentsprechende" Medien freigegeben sind,
strafen Sie damit alle Jugendlichen, die in der Schule eine Facharbeit
schreiben müssen und dafür Zugang zu entsprechender Fachliteratur
brauchen. Oder auch einfach solche, die im Bereich "Lesen" ihrer
Altersgruppe voraus sind.

Mit freundlichen Grüßen
Rolf Schöpe

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