[Date Prev][Date Next][Thread Prev][Thread Next][Date Index][Thread Index]

Re: [InetBib] 2. Call: Begriffsanalyse – Klassifikation – Ontologien, 23.-24.10.15, TU Darmstadt, Mathem. Institut



Sehr geehrte Kollegen,
meinerseits nur eins. Mit dem Begriff „Sein“ muss man ein Bisschen aufpassen. 
Das Wort wird so sehr benutzt, dass man trotz wiederholter Erklärung der 
Philosophen im Laufe der Jahrhunderte immer wieder nicht mehr weiß, was 
eigentlich damit gemeint ist. „Sein“ drängt alles durch, Lebendiges und 
Unlebendiges. Es Ist als solches ohne Zeit und ohne Grenzen. Deswegen sind 
meiner Meinung nach die Binome biologisches/menschliches Sein – Leben etwas 
irreführend. Man sollte im Fall von „Sein“ innerhalb von menschlichen Lebewesen 
das Wort „Dasein“ oder vielleicht noch besser weil gängiger „Existenz“ nutzen. 
Der lebendige Anteil des Menschen und aller anderen Lebewesen kann man 
natürlich "Leben" nennen. Hauptsache ist: man weiß ganz genau, was man mit den 
Worten meint. Schließlich eine Anregung: Sein an sich ändert sich nicht. Egal 
in welchem Rahmen es vorkommt. Warum sollte man zwischen menschlichem und 
tierischem Sein differenzieren? Im Fall vom Leben ist es wahrscheinlich 
sinnvoll unter Tieren, Menschen und Pflanzen zu unterscheiden, aber Sein kann 
Prädikat von allem (eben) sein :). So kann man vielleicht die Adjektive 
"biologisches", "menschliches" und "soziales" einfach nach rechts verschieben 
und mit Leben verbinden. 
Herzliche Grüße
Maurizio Grilli
(Medma Bibliothek Mannheim)

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: InetBib [mailto:inetbib-bounces@xxxxxxxxxx] Im Auftrag von Walther 
Umstaetter
Gesendet: Samstag, 26. September 2015 18:59
An: Peter Ohly
Cc: inetbib@xxxxxxxxxxxxxxxxxx
Betreff: Re: [InetBib] 2. Call: Begriffsanalyse – Klassifikation – Ontologien, 
23.-24.10.15, TU Darmstadt, Mathem. Institut
Sehr geehrter Kollege Ohly,
herzlichen Dank für diesen Hinweis.
Ich erlaube mir diese Mail auch an Inetbib zu schicken, da ich der Meinung bin, 
dass dieses Thema im Zusammenhang mit dem Semantic Web von allgemeiner 
Bedeutung ist.
Darf ich hier nur eine kurze Anregung dazu geben?
Bezüglich der “neun Seinsschichten der ICC. Sie wurden wie folgt zu je drei 
nach unbelebtem, belebtem und produziertem Sein gebündelt:
1. Form und Struktur
2. Energie und Materie
3. Kosmos und Erde
4. Biologisches Sein und Leben
5. Menschliches Sein und Leben
6. Soziales Sein und Leben
7. Materielle Produkte – Wirtschaft und Technik 8. Intellektuelle Produkte – 
Wissen und Information.
9. Geistige Produkte – Kultur- und Geisteswissenschaften"
(https://de.wikipedia.org/wiki/Information_Coding_Classification)

ist es zwar von der Ordnung her verführerisch je drei Bündel zu schnüren, aber 
aus biologischer Sicht, ist “Menschliches Sein und Leben” 
eine eindeutige Untermenge von “Biologisches Sein und Leben”.
Seit dem C. Linneaus 1735 dem Menschen in seinem Systema Naturae seinen 
systematisch begründeten Platz zugeordnet hat, ist der Mensch begrifflich 
eindeutig den Tieren und damit der Biologie bzw. dem Leben untergeordnet. Das 
wurde dann insbesondere durch die Morphologie Goethes und im folgenden 
Jahrhundert durch die Evolutionstheorie C. Darwins, bis hin zur Entdeckung der 
DNS als Informations- und Erbträger im Neodarwinismus wissenschaftlich 
bestätigt.

Ebenfalls „Soziales Sein und Leben“ sind Untermengen, je nachdem ob es sich um 
pflanzliche, tierische oder menschliche soziale Netzwerke handelt.

Da die Zeit, als die Bibliotheken Monohierarchien (DDC, LCC, etc.) anstrebten, 
weil man ein bestimmtes Buch immer nur an einer Stelle einordnen konnte, 
insbesondere durch die Online-Dokumentationen mit ihren polyhierarchischen 
Thesauri abgelöst wurde, sollte Wissensorganisation mit entsprechenden 
Assoziationen, Polyhierarchien und wechselnden Aspekten arbeiten.

Gerade das Systema Naturae Linnés hat gezeigt, wie wichtig ein bestimmter 
Aspekt der Einteilung (bei ihm war es die Sexualität) für eine stringente 
Systematisierung ist, wobei diese Sexualität zwangsläufig zu einem System der 
Arten-Verwandtschaft, und damit zur biogenetischen Evolution(sstrategie) führte.

Auch das Bündel “Intellektuelle Produkte – Wissen und Information.” kann 
eigentlich nur eine Untermenge von “Geistige Produkte – Kultur- und 
Geisteswissenschaften” sein, wobei schon Wissen, als begründete Information, 
eine Untermenge des Informationsbegriffs ist.

Die “neun Seinsschichten der ICC” werfen die Frage auf, ob die nächst höhere 
Schicht nicht die Unterscheidung von Sein und Nichtsein erfordert. In sehr viel 
älteren und auch religiösen Überlegungen konnte man sich in der Vorstellung, 
dass unser Universum von Ewigkeit zu Ewigkeit existiert, und dass vor dem Sein 
nur der Kreator dieses Seins, Gott, stand, das Nichtsein, bzw. das totale 
Nichts als unlogisch verwerfen. Heute, bei der verbreiteten Ansicht, dass unser 
Universum aus dem sog. Big Bang entstanden ist, könnte das Nichtsein sowohl 
zeitlich (als die Zeit vor dem Big Bang) als auch räumlich (der Bereich 
außerhalb unseres Universums, in dem es keine Energie, und damit auch keine 
Zeit und keinen Raum gibt) existieren. Es wäre allerdings auch denkbar, dass 
sich unser Universum in einem noch größeren Universum befindet, und dass sich 
das Nichtsein noch weiter außerhalb befindet.

Insbesondere atheistische  Naturwissenschaftler, die den Trivialdarwinismus in 
die Evolution unseres Universums zu extrapolieren versuchen, nach deren 
Vorstellung alles nur Zufall ist, so dass aus einer unvorstellbaren Zahl an 
solchen Zufallsuniversen zufällig auch unsere Welt, mit ihren Gesetzmäßigkeiten 
entstand, stellen unserem realen Sein nur den Zufall gegenüber, auch wenn diese 
Hypothese recht kühn, um nicht zu sagen abenteuerlich ist, wenn man bedenkt, 
dass die Naturgesetze in Chemie und Physik ein so komplexes Molekül wie die DNS 
hervor bringen, dass nicht nur als Informationsspeicher in der Lage ist sich 
selbst zu Reduplizieren, dass es im sogenannten Prozessing die gesamten 
Strukturproteine und Enzyme hervorbringt, und in der Phylogenese der einzelnen 
Arten ein unglaubliches Wissen zum überleben ansammeln konnte, bis hin zum 
menschlichen Unterbewusstsein, und der zusätzlichen Fähigkeit mit unserem 
Bewusstsein, dies zu hinterfragen.

Kurz zusammengefasst, ist es zunächst gleichgültig, welche Vorstellung wir mit 
dem Nichtsein verbinden, in ein System der Wissensorganisation muss es ebenso 
eingefügt werden, wie die Metaphysik (griech. meta ta physika), nach der 
Physik, die der Bibliothekar Andronikos von Rhodos, mit den Schriften des 
Aristoteles (Ausgabe 1. Jh. v. Chr.) einführte.

Dies nur als kurze Anmerkung

MfG

Walther Umstätter


Am 2015-09-26 17:08, schrieb Peter Ohly:
2. Call: *Begriffsanalyse – Klassifikation – Ontologien, * 
23.-24.10.15, TU Darmstadt, Mathem. Institut

Liebe an Klassifikation, Wissensorganisation und Ontologien 
interessierte Kollegen,

das letztes Jahr erschienene Buch *Wissensorganisation: Entwicklung, 
Aufgabe, Anwendung, Zukunft *(Ergon Verlag 2014, ISBN
978-3-05650-065-7)
von Ingetraut Dahlberg, der Begründerin der ISKO, enthält auf den 
Seiten
80-81 die Matrix der ICC* Information Coding Classification* und 
anschließend auf den Seiten 82-100 ihre Untergliederungen auf der 
nächsten Hierarchiestufe.
Mitglieder der ISKO sowie auch weiteren an Klassifikation 
Interessierte werden gebeten, aus ihrem Sachwissen heraus Stellung zu 
den genannten Untergebieten zu beziehen und sie evtl. zu ergänzen oder zu 
verbessern.
Dabei wäre zu berücksichtigen, dass die Systemstellen, wo immer 
möglich, den ICC-Prinzipien (S.100 ff.) folgen. Inzwischen sind die 
Rechte an der ICC übrigens bei der Dt. ISKO.
Ein Mitglied des Ontologen-Kreises in Darmstadt (Thomas Zeh) hat 
inzischen die ICC in die Wikipedia gebracht, so dass Sie auch da 
nähere Information
vorfinden: 
https://de.wikipedia.org/wiki/Information_Coding_Classification
<https://3c.gmx.net/mail/client/dereferrer?redirectUrl=https%3A%2F%2Fd
e.wikipedia.org%2Fwiki%2FInformation_Coding_Classification>
(bitte, beachten Sie den Unterstrich vor und nach Coding) Übrigens 
wurde nach Regeln von Ingetraut Dahlberg für die Bibliographie in 
International Classification (später Knowledge Organization) das 
‚*Classification System for Knowledge Organization Literature*‘ 
benutzt, das nun in erweiterter Form für die online-Bibliographie 
verwendet wird:
http://www.isko.org/scheme.php.
Vom Ernst-Schröder Zentrum (ESZ ; Leitung: Prof. Karl Erich Wolff) an 
der TU Darmstadt wird nun an den Tagen 23.-24.10. zum Thema 
„**Begriffsanalyse – Klassifikation – Ontologien: Die ICC auf dem 
Prüfstand**“ ein Seminar in Zusammenarbeit mit der Deutschen ISKO 
stattfinden. U.a. sind ein Vortrag von Prof. Andreas Ledl, Basel, über 
seine digitalisierte und DDC-klassierte Sammlung von 
Klassifikationssystemen sowie Kurzvorträge über Begriffsanalyse, 
Top-Ontologies und das Ontologen-Netzwerk vorgesehen.
Die
Teilnahme ist kostenlos.
Der 24.10. soll dann eine echte Arbeitssitzung werden mit Ihren 
Beiträgen und Diskussionen zur ICC. Hierbei geht es vor allem um 
kritische und ergänzende Bemerkungen zur dritten hierarchischen Stufe 
der* Information Coding Classification* (S. 82-100) in Kurzbeiträgen. 
Auch wenn Sie nicht kommen können sollten, so haben Sie die 
Möglichkeit, Kommentare vorab an Frau Dahlberg zu senden. Falls Sie 
das Buch nicht besitzen, bietet sich auch die ICC im Internet an 
(s.o.).
Seinerzeit wurden die weiteren Untergliederungen der ICC-Matrix in 
Zusammenarbeit weitgehend mit Hochschulexperten erfasst, doch hat sich 
im Laufe der Zeit ja einiges geändert und bedarf daher einer 
Überprüfung und Ergänzung. Zusammen mit Ihrem Fachwissen sollte nun 
eine Anpassung und weitere Ausarbeitung möglich sein. Wir benötigen 
also auch Ihren Beitrag, und zwar schon bis zum 30. September, um das 
Programm entsprechend aufbauen zu können. Sie bekommen dann genauere 
Angaben zum Seminar zugesandt.

Reichen Sie bitte diese Einladung auch an Interessierte weiter.

Bitte, schicken Sie Ihren Beitrag **per eMail** an:**peter.ohly@xxxxxx
<peter.ohly@xxxxxx>**
(bitte mit Betreff: Ontologie-Seminar)

und in jedem Falle auch **per Post** an:
**Dr. I. Dahlberg**
**Am Hirtenberg 13**
**D-64732 Bad König**
(nur für Rückfragen:
ingetraut.dahlberg@xxxxxxxxxxx)


Listeninformationen unter http://www.inetbib.de.