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Re: [InetBib] Wie die VG Wort die Forschungsfreiheit angreifen will



Herr Graf, Sie stellen ein paar Punkte falsch dar:

Die überwiegende Mehrheit aller Wissenschaftsverlage nimmt doch bereits am Partnerprogramm teil. Diese Titel sind überhaupt nicht betroffen. Es geht ausschließlich um die darüber hinaus gehenden Titel, die zusätzlich in amerikanischen Bibliotheken eingescannt wurden. Das sind vom verfügbaren Bestand an wissenschaftlichen Titeln wohl keine 5%.

Und auch bei diesen Titeln ist die klare Empfehlung an die Verleger, die Titel jetzt zurückzuziehen, um sie dann im Partnerprogramm zu anderen Konditionen einzubringen.

Die Sichtbarkeit der Titel wird also zu 98% die gleiche sein. Ihre Behauptung ist also falsch.

Und noch ein Wort: wenn fast alle Verlage und fast alle Autorenverbände eine Entscheidung treffen und Herr Graf sagt: die sind ewiggestrig, verbohrt, irregeleitet, extrem kurzsichtig, dann erinnert mich das an diesen Witz:

Hört ein Autofahrer im Radio, dass auf seiner Autobahn ein Geisterfahrer unterwegs sei. "Einer? Tausende!"

Bei allem Spaß weise ich sie mal wieder darauf hin, dass Ihr Ansinnen zu tiefst undemokratisch ist und im Kern totalitär. Sie sind überzeugt, dass Sie besser wissen, was für den Einzelnen gut ist, auch wenn dieser Ihnen gegenüber ausdrücklich sagt, dass er das anders sieht. Und Sie bemühen dann die Interessen der Allgemeinheit, die natürlich die Ihren sind.

Das ist nicht gut und Sie sollten das nicht tun.

Mfg
Matthias Ulmer




Am 27.03.2009 um 21:14 schrieb "Klaus Graf" <klaus.graf@xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx >:

Ich habe unter

http://archiv.twoday.net/stories/5611293/

nochmals ausfuehrlich etwas zum Google Books Settlement
geschrieben und teile daraus nur den Schlussteil mit:

Entscheidend ist, ob die VG Wort für diejenigen Autoren
sprechen darf, die an einer möglichst großen Sichtbarkeit
ihrer Werke in Google Book Search interessiert sind z.B.
Wissenschaftsautoren.

Die von ihr ins Auge gefassten Maßnahmen führen zu einer
eklatanten Verschlechterung der wissenschaftlichen
Recherchequalität von Google, denn sowohl vergriffene als
auch lieferbare Bücher werden aus dem Index verschwinden,
also nicht mehr durchsuchbar sein!

Daran können auch die belletristischen Autoren nicht das
geringste Interesse haben, zumal das Lieblingskind des
Buchhandels LIBREKA überhaupt nicht mit Google konkurrieren
kann.

Bei vergriffenen Büchern kann die VG Wort Lizenzen
erteilen, aber wer sagt denn, dass Google sofort auf diese
Bedingungen eingeht? Erst einmal sind die unzähligen
Möglichkeiten, durch Volltextsuche Neues zu finden, futsch.

Nur "möglicherweise" soll Google erlaubt werden, bei
lieferbaren Büchern eine Volltextsuche anzubieten. Die
kurzen Buchauszüge und Snippets, die ja in vielen Fällen
höchst nützlich sind, werden dann der Vergangenheit
angehören.

Getrieben von Ewiggestrigen, einer ideologisch verbohrten
Verlagslobby und irregeleiteten Autorenverbänden, schlägt
die VG Wort eine einzigartige wissenschaftliche
Recherchemöglichkeit kurz und klein. Die Interessen der
Allgemeinheit bleiben auf der Strecke!

Vor allem es ist es auch ökonomisch extrem kurzsichtig: Die
hervorragenden Resultate des Google-Partnerprogramms zeigen
doch, dass Sichtbarkeit sich auszahlt.

Möglichst viele Autoren müssen der VG Wort die Befugnis
entziehen, in ihrem Namen zu sprechen. Das
Urheberrechtsbündnis sollte stattdessen die Interessen der
meisten Wissenschaftsautoren an Open Access gegenüber
Google geltend machen und nicht dazu auffordern, unwirksame
Musterbriefe an Google zu schreiben, die dort wohl eher im
Papierkorb landen!

Klaus Graf





Listeninformationen unter http://www.inetbib.de.