[Date Prev][Date Next][Thread Prev][Thread Next][Date Index][Thread Index]

DFG-Projekt "SSG-Fachinformation"



NIEDERSAECHSISCHE STAATS- UND 
UNIVERSITAETSBIBLIOTHEK GOETTINGEN


                                 Information der SUB Goettingen zum 

                                 DFG-Projekt "SSG-Fachinformation"

An der Niedersaechsischen Staats- und Universitaetsbibliothek Goettingen 
wird seit 1. Juni 1996 das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefoerderte 
Projekt  "SSG-Fachinformation" durchgefuehrt. Dieses Projekt ist vor dem Hintergrund 
der zunehmenden Bedeutung elektronischer Informationsquellen im Internet 
zu sehen, die zum Beispiel im Falle der Mathematik bereits dazugefuehrt haben, dass 
mathematische Institute weltweit eigene WWW-Server betreiben, auf denen 
elektronische Preprints und andere Informationen von zum Teil hoher wissenschaftlicher Relevanz 
der Fachoeffentlicheit zur Verfuegung gestellt werden. Bibliotheken, 
insbesondere Sondersammelgebietsbibliotheken, haben, so die inhaltliche Praemisse 
des Projektes, die Verpflichtung, zusaetzlich zu den umfassend erworbenen Medien, wie 
Buecher und Mikroformen, auch derartige elektronische Informationen zu 
erschliessen und den Benutzern in geeigneter Form zur Verfuegung zu stellen. Hierfuer muessen 
voellig neue Konzepte und Systeme entwickelt werden. Das DFG-Projekt 
"SSG-Fachinformation" ist der Versuch, ein prototypisches System hierfuer aufzubauen, das in 
Zukunft integraler Bestandteil der Dienstleistungen einer Sondersammelgebietsbibliothek 
sein soll. 

Unter Fachinformation werden dabei diejenigen Informationsquellen 
subsumiert, die primaere Informationen erschliessen, und, sofern es sich um 
elektronische Informationsquellen handelt, unter Umstaenden auch zugleich den 
direkten Zugriff auf die primaeren Informationen mit umfassen. Konkretes Ziel 
des SSG-Fachinformationsprojektes ist es, ein 
WWW-basiertes Fach-informationssystem zunaechst fuer die Sondersammelgebiete 
Geowissenschaften, Geographie und thematische Karten, reine Mathematik sowie den 
angloamerikanischen Kulturraum (Geschichte, Politik, Verfassung, Sprache und Literatur) 
aufzubauen. Dieses System soll zum einen als moeglicher Prototyp zur Nachnutzung fuer 
weitere Sondersammelgebiete entwickelt werden, mit dem Ziel, integriert in 
den zentralen WWW-Einstiegsserver fuer die Sondersammelgebietsbibliotheken, der im 
Rahmen des Projekts WEBIS an der SUB Hamburg derzeit entwickelt wird, ein 
umfassendes Fachinformationssystem fuer alle Wissensgebiete, welche durch das 
Spektrum der Sondersammelgebiete abgedeckt werden, aufzubauen. Zum anderen koennen 
die Sondersammelgebietsbibliotheken damit auch im Rahmen moeglicher 
Kooperationen mit anderen Bibliotheken und Forschungseinrichtungen als zentrale 
Redaktionsstelle im Kontext einer kooperativen Pflege und Weiterentwicklung solcher 
Systeme fungieren.
 
Das Konzept basiert somit zunaechst auf der Struktur der 
Sondersammelgebiete, da davon ausgegangen wird, dass vor allem die 
Sondersammelgebietsbibliotheken langfristig in der Lage sind - und auch die 
entsprechende Verpflichtung haben - solche Systeme zu 
pflegen; und dass sie vor allem bereits fuer herkoemmliche 
Informationsmittel und Informationsressourcen in ihrem Sondersammelgebiet unter den 
Bibliotheken einen singulaeren Bestand mit speziellen Dienstleistungen fuer den 
Benutzer 
besitzen. 

Die inhaltliche Konzeption des Projektes greift auf diese 
Infrastruktur zurueck, indem ueber das Fachinformationssystem nicht nur 
elektronische Fachinformationen des Internet, 
sondern auch gedruckte oder als Offline-Medium vorhandene 
Fachinformationen integriert werden. Dieser Gesichtspunkt ist vor allem fuer die 
geistes- und sozialwissenschaftlichen Faecher von grosser Bedeutung, da hier die 
elektronischen Informationsquellen nur einen - derzeit noch - geringen Teil der 
Informationsmittel abdecken und aller Voraussicht nach auch in Zukunft aeltere, nur 
gedruckt vorliegende Materialien noch von grosser Relevanz sein werden. 

Ein zweiter Aspekt, der das SSG-Fachinformationssystem von aehnlichen, 
im Internet vorhandenen Systemen unterscheidet, ist die Auswahl und Bewertung der 
erschlossenen Informationsmittel. Informationsquellen werden in 
qualitativer Auswahl erschlossen, d.h. es werden die wichtigen, wissenschaftlich 
relevanten Materialien erfasst und nach einem einheitlichen Schema beschrieben. Auf diese 
Weise wird der unuebersehbare Informationsraum des Internet sowie zum Teil auch die 
Fuelle des gedruckten Materials fuer den Benutzer in uebersichtlicher Form 
erschlossen. Zugleich kann der Benutzer sich, bevor er auf eine Informationsquelle 
zugreift, ueber deren Inhalt und Art informieren. Das System soll ihm mithin eine Gewaehr dafuer 
bieten, dass er bei seiner Recherche nur auf wissenschaftlich relevante 
Informationsquellen stoesst.
 
Das SSG-Fachinformationssystem stellt damit ein 
Metainformationssystem dar, das nicht den Anspruch erhebt, vorhandene grosse Directories oder 
Suchmaschinen zu ersetzen, sondern vor diesen eine qualitativ bewertete, ausgewaehlte 
Menge an Informationsquellen zu erschliessen. Es bietet damit einen 
spezifischen Service an, der sich an den Beduerfnissen wissenschaftlich arbeitender Nutzer 
orientiert, und der zusaetzlich zu umfassenden Suchsystemen eine eigene Form der 
Erschliessung von Informationsquellen anbietet. 

Das WWW-basierte Fachinformationssystem bietet auf der ersten Ebene 
einen einheitlichen Einstieg fuer alle Fachgebiete. Dabei werden pro Fach 
vier Einstiegsmoeglichkeiten angeboten: 
1.	Dienste der SSG-Bibliothek: Zum Beispiel: Online-Katalog; 
Current-Contents-Dienste; Neuerwerbungslisten; Dokumentlieferdienste; Zugriff auf 
digitale Dokumente etc.
2.	Direkte Eingabe von Suchbegriffen und Klassifikationscodes: UEber 
eine lokal eingerichtete Suchmaschine wird die Moeglichkeit angeboten, direkt 
nach Begriffen und Notationen zu recherchieren. 
3.	Fachlich gegliederte Informationsquellen: Es wird fuer jedes Fach 
eine systematische Gliederung angeboten, welche einen fachlich 
spezifizierten Einstieg erlaubt. 
4.	Formal gegliederte Informationsquellen: Auskunftsmittel 
(Woerterbuecher, Enzyklopaedien etc.); Fachbibliographien; digitale Bibliotheken etc. 

Generell wird das "WWW-Fachinformationssystem" mit einer flachen 
Hierarchie arbeiten, damit der Benutzer so rasch wie moeglich an die eigentlichen 
Informationen kommt. Die erfassten und bewerteten Informationen werden dabei nach 
Konzepten, die dem derzeitigen Stand der Standardisierung von Metadaten 
elektronischer Informationen entsprechen, strukturiert sein, damit, so weit das derzeit moeglich 
ist, die Kompatibilitaet mit anderen, aehnlichen Systemen international gewaehrleistet ist. Zur 
sachlichen Erschliessung werden aus demselben Grund auch international anerkannte 
Fachklassifikationen, soweit vorhanden, eingesetzt sowie die DDC. 

Mit der Arbeit an dem Projekt ist am 1. Juni 1996 begonnen worden. Es 
ist vorgesehen, bereits im ersten Halbjahr 1997 in Workshops die Konzeption und 
ersten Ergebnisse der interessierten Fachoeffentlichkeit vorzustellen. Im Austausch mit 
Fachreferenten der jeweiligen Faecher sowie Wissenschaftlern, die im Bereich 
Fachinformation taetig sind, kann dabei die Konzeption diskutiert werden. Dazu soll natuerlich auch 
die grundsaetzliche Konzeption den Sondersammelgebietsbibliotheken allgemein vorgestellt 
werden. 

Interessenten, die an einer Kooperation oder an weiterfuehrenden 
Informationen interessiert sind, wenden sich bitte an Dr. Wilfried Enderle (E-Mail: 
enderle _at__ mail.sub.uni-goettingen.de; Tel. 0551/39-5200, Fax: 0551/39-5222). 

Goettingen, 22.8.1996        Dr. Wilfried Enderle




Listeninformationen unter http://www.inetbib.de.