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AW: "Bibliothekare zur R-Reform"



Deutschsprachige Seiten zum norweg. Sprachrat:
1. 2004 http://www.sprakrad.no/tysk.htm
1. 1989 http://www.sprakrad.no/tysk1.htm
2. 1996
http://odin.dep.no/odin/tysk/om_odin/stillinger/032005-990160/index-dok000-b-n-a.html



Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Norwegen ist - sprachlich - kein Beispiel für uns,
es ist zu vieles anders.
Aber Norwegen kann im Alltag sehr wohl
ein Beispiel für Toleranz sein.
Weil Sprache ein Ausdruck eigener Persönlichkeit ist
und man eine Person akzeptiert, wenn man
ihre Schreibweise und Sprache toleriert.
Es gibt z.B. keinen Grund,
jemandem seinen Dialekt vorzuhalten.
Das war ein zentrales Thema in N.
Ist aber Dialekt bei uns auch so wichtig ?
Ich meine nicht.
Darum betrifft uns vieles nicht,
was der N. Sprachrat verhandelt.

Vielleicht merkt es in 3 Jahren nicht jeder, aber
selbstverständlich gibt es in Norwegen
"feste Absprachen und klare Rahmen" <vergl. Elling ;->

"Es ist in beiden Sprachformen zu unterscheiden zwischen einer
-	weitergefaßten Rechtschreibung und einer
-	engeren Norm, der sogenannten Lehrbuchnorm.
Die Lehrbuchnorm gilt für Schulbücher und im öffentlichen
Sprachgebrauch. Sie wird auch für bestimmte Typen von Sendungen des
Rundfunks empfohlen, u.a. Nachrichten, Ansagen, Meldungen,
Unterrichtsprogramme für Kinder und Erwachsene und Untertitelungen bei
Fernsehsendungen."

Und ?

Die Lehrbuchnorm gibt u.a. klar vor:
-  definierte Hauptformen
-  erlaubte Nebenformen (sideformer)
Und der Rest ist eben _nicht richtig.

Was wäre daran anders als bei uns ?
Denn:
Auch dort muessen die Schulen unterrichten,
auch dort entscheiden, was richtig ist und was nicht.
Auch dort muss "offiziell" geschrieben werden.
Auch dort ist denen, die sich nicht für
ihre eigene Sprache interessieren,
das stete Ändern unnötiger Ballast.
Auf den o.a. Webseiten wird durchaus eingeräumt,
dass Varianten praktisch ! hinderlich sind.


Da sich die Rechtschreibung in Norwegen schon sehr lange *am Sprechen* orientiert, behandelt der Sprachrat übrigens die Sprache in allen Ebenen: - Orthographie aller Art, z.B. Anglzismen norwagisierte - Vokabular: welche Dialektwörter ! sollen in der Sprachnorm gebraucht werden dürfen usw., In einem Land, in dem ab der ersten Schulklasse Englisch unterrichtet wird, lernen die Köpfe von Anfang an, dass Englisch und Norwegisch 2 verschiedene Sprachen sind. - Syntax: welche Beugungen erlaubt sind, z.B "ich hab gedenkt" "Siehst da die Bööte da auf dem Wasser ?" "Langsam, sonst rutschst du in die Bach." "Dees is ma zvui." Interessant, die acht Möglichkeiten, im Deutschen Plural zu bilden, könnte man wirklich mal reduzieren. Möchte das jemand hier ? Kann man das vergleichen ?

Triebkraft der N-Sprachrates sind jedenfalls
Konflikte zwischen 2 Schrift(!)formen,
die einander näher sind als Bayrisch und Plattdeutsch.
Diese Konflikte zu schlichten braucht(e) es den Sprachrat.
Ist das vergleichbar ?

Noch eine Bürokratie ? Auf keinen Fall !
Unser Duden war vielleicht nicht sehr demokratisch,
aber behutsam und nützlich.
Mehr braucht eine Norm nicht zu leisten: nützlichkeit.
Dudens Prinzip war immer "Beschreiben", sehen was ist,
erst dann aufschreiben und drucken.
Unserer RS-Regulatoren wollen anscheinend
von oben herab etwas verordnen,
was eine Mehrheit ablehnt.
Was wäre daran demokratisch ?

"Konservativ", Herr Aronsson ?
Heisst das nicht "erhaltend" ? aber WAS erhalten ?
Wer das Klima erhalten will, ist konservativ ?
Wer Natur erhalten will, ist konservativ ?
wer eine sinnvolle Aufgabe und Funktion erhalten , ist konservativ?
Sie möchten das kleine "ni" erhalten ?
Sind Sie _da_ nicht konservativ ?
Wenn es ETWAS ist, das WERT ist, erhalten zu werden,
dann, ja dann ist konservativ_sein etwas Positives.
Es geht also um Werte. Insofern hat Eversbergs und anderer Haltung
hier viel von Zivilcourage und Praxisnähe:
Wohl etablierte Normen wirft man nicht weg.
Schon gar nicht, wenn man dann abhängig wird
von teurer Sondersoftware (Kosten!).

Im N.Sprachrat sitzen offensichlich viele
Funktionäre aus Verbänden der beiden Schriftformgruppen.
Sie werden nicht direkt vom Volke gewählt.
Ob das Ganze also demokratischer zugeht ? Experten !? Ah ja.
Darüber kann man streiten. Die saßen und sitzen bei Dudens auch.
Abstimmen über Einzelfragen, gut.
Ein Vorbild an Transparenz ist das aber nur,
wenn alles daran öffentlich ist.


In unserer deutschsprachigen inetbib-Diskussion geht es ums Praktische, die R-Reform:

a. die Wirkung aufs präzise Finden

	Elemtare Qualität und Leistung einer Datenbank
	mißt sich nach wie vor in Precision und Recall.
	Die gut bezahlte wissenschaftliche Forschung
	findet in Norwegen auf Englisch statt,
	in den STM-Fächern sowieso, in BWL & Co auch.
	Also dürfte man dort kein Problem beim wiss.Retrieval haben.

	Aber, nicht wahr, da kam keine Antwort auf
	Herrn Eversbergs Aufforderung, her mit der N.-Software,
	die zu einem Suchwort alle seine Varianten findet.
	Denn nach manchen Wörtern suchen sie dort eben
	X Mal, alle Varianten mit der Hand, was ihnen einfaellt.

	Norweg. Pragmatismus schuf darum eine 2-stufige Norm:
	Klare Norm zum Publizieren, offiziell
	weite Norm für den Alltag.
	
b.	die Wirkung aufs Lesen, also praktisch.

	Englischsprachigen Lesern ist egal,
	vor wieviel hundert Jahren die Rechtschreibung	
	eingefroren wurde. Was zählt, sind die Striche und Bögen
	aus denen ein Wort besteht, wie Chinesisch.

	Aufs leichte Erkennen des stets gleichen bewährten,
	als Schrift-Bild gespeicherten Wortes kommts an.
	Wir leben doch in einer Bilder-Welt, oder ?

Fassen wir zusammen:

In Norwegen ist der Sprachrat
für die Menschen dort vielleicht ein Ansatz zum
Umgehen mit dem 2-Schriftenform-Problems.

Die sprachliche Toleranz im Alltag ist gewiß ein Vorbild.
Ein öffentliches Gremium - vielleicht.
Der N.Sprachrat als Ganzes aber ist
kein Muster für eine Deutsche Sprachverwaltung.

Weiter alles Gute und
beste Grüße
vom hbk ;-)
NB: "Alles -wie immer- meine persönliche Meinung."



1. PS ----------------------------------------------------------------

Exkurs	Zusammengeschrieben wird,
	wenn der erste Wortteil betont wird.
	So lernte man jedenfalls anderwärts Deutsch.
	Ist echt leicht für alle, die sprechen.
	War schon immer so.
	Weiss gar nicht, wo das Problem ist.

2. PS ----------------------------------------------------------------

Es ist nicht so, dass ich gegen eine Reform wäre,
jenseites aller Überlegungen mit Datenbanken.
Wenn wir eine Reform mit Richtung und Logik haben wollen,
dann lohnt _nur_ eine gründliche. An der gesprochenen
Sprache änderte sich dabei nichts, nur an der Rechtschreibung.

Grundsaetzliches Orientieren am Sprechen,
und zwar der hochdeutschen Aussprache

- komplette Kleinschreibung, ausser Namen und Satzanfang.

	ß ---> ss, und zwar immer, a la Schweiz
	x ---> ks	wie zB Norwegisch und völlig klar
			ks sind 2 Laute: k und s

Mehrfachschreibungen kommen weg:
	y ---> ü, j	je nach Aussprache-IST.
	c ---> z oder k	je nach Aussprache-IST.
	v ---> w,f	v braucht man nicht

1 Laut - 1 Buchstabe, also
	
	th ---> t	
	ph ---> f	
	tz ---> z	wer bloss tz erfunden hat? tztztz
	ch ---> c	
	sch ---> x	wie anderswo auch

	ai,ei,ey,ay ---> ai
....

Wenn wir das soweit haben, sind an
Ähnlichkeit zwischen Schrift und Lautung
Schwedisch, Dänisch, Italienisch usw überholt und wir
hätten in etwa norwegischen Stand anno 2000 erreicht.

Dann können wir uns ja überlegen, ob wir nicht
für eine Reihe von Sozio- und Regiolekten
mit unterschiedlicher sekundärsprachlicher Färbung
eine eigene Schriftform basteln,
wie einstens Starck-Deutsch zum Beispiel.

Anschliessend einen Sprachrat gruenden,
der die beiden Schriftformen auf einander zu
bewegt /entwickelt, Kräften bündeln, Synergie,
klar doch, damit Kräfte freigesetzt
werden, ja, eben, vergl. Bullshit-Bingo

Einwende, Aufschybe und Anschybe an den Absender ;-)


Listeninformationen unter http://www.inetbib.de.