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Re: AW: AW: [InetBib] Studiengebühren und Gruppenegoismen



Diese Extragebühren für Externe, wie hoch sie auch immer sein mögen (die 30,- Euro summieren sich ja zu den Gebühren in anderen Bibliotheken) verschärfen m.E. noch mehr ein zentrales Problem der Bibliotheksentwicklung in Deutschland, nämlich den immer weitergehenden Ausschluss der allgemeinen Bevölkerung von qualifizierter, auch wissenschaftlicher Information. Wer nicht das Glück hat, in Berlin, München, Hamburg, Köln oder anderen zentralen Großstädten zu leben, hat dazu immer weniger Zugang - oder: wie Kurt Beck schon feststellte, 80% der Bevölkerung leben außerhalb der großen Städte.

Vorangetrieben wird diese Entwicklung von der herrschenden berufsständischen ÖB-WB-Ideologie, nach der Ö(!)ffentliche Bibliotheken ihr Angebot immer mehr nach Zielgruppen ausrichten (Senioren ab 50, Mütter, Migranten, Arbeitssuchende, Analphabeten u.ä. - zur Not findet sich immer eine Zielgruppe) oder sich gleich ganz als Kinder- und Jugendbibliothek verstehen. Für qualifizierte Angebote wie Voltextdatenbanken haben sie kein Geld, sie sind kaum vernetzt und die notwendige Qualifizierung wird auch nicht überall besonders großgeschrieben. Wenn jetzt auch noch die Universitätsbibliotheken, eigentlich die einzige durchgängige Infrastruktur für freie wissenschaftliche Information in Deutschland, die Externen immer mehr ausschließen, bleibt das nichtakademische Publikum außerhalb der großen Zentren allein auf die Massenmedien und den eigenen Internetanschluss mit kostenlosen Angeboten angewiesen, eine Entwicklung, die in einer demokratischen Gesellschaft niemand wollen kann. Die Lösung kann m.E. nur darin liegen, dass sich alle öffentlich finanzierten Bibliotheken als ein Netz verstehen und sich entwickeln, mit einem diskriminierungsfreien Zugang für alle.

Viele Grüße aus Berlin
Peter Delin

Zentral- und Landesbibliothek Berlin
http://www.zlb.de/wissensgebiete/kunst_buehne_medien/videos
http://buecherei.netbib.de/coma/Filmrecherche
http://buecherei.netbib.de/coma/Filmliteratur
http://dvdbiblog.wordpress.com/
-






Scheuble, Robert schrieb:
Lieber Herr Wolf, liebe Liste,

die Angaben zu den Konstanzer Gebühren für Externe sind schon länger überholt. Seit dem 01.08.2007 betragen die Gebühren für 
Externe in Konstanz wahlweise 3 EUR pro Ausleihe, 10 EUR pro Monat oder 30 EUR pro Jahr. Alle Personen in Ausbildung, Empfänger von ALG I, II o.ä. 
sind berechtigterweise von der Gebühr befreit <http://w3.ub.uni-konstanz.de/v13/volltexte/2007/4232//pdf/heft86.pdf>. Auch wenn ich selbst kein 
Freund von Benutzungsgebühren bin - weder in öffentlichen noch in wissenschaftlichen Bibliotheken -, kann ich hier kein problematisches 
"Gebühren-Wettrüsten" erkennen.

Mit freundlichen Grüßen

Robert Scheuble



Dr. Robert Scheuble
Bibliotheksleiter


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Bibliothek der PH Schwäbisch Gmünd
Oberbettringer Straße 200
73525 Schwäbisch Gmünd
Tel.: 07171 / 983-338

E-Mail: Robert.Scheuble@xxxxxxxxxxxxxxx
Home: http://bibliothek.ph-gmuend.de
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-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Sebastian Wolf [mailto:sebastian.wolf@xxxxxxxxxxxxxxxx] Gesendet: Montag, 10. Dezember 2007 10:35
An: Internet in Bibliotheken
Betreff: Re: AW: [InetBib] Studiengebühren und Gruppenegoismen

Hallo Herr Rohde, liebe Liste,

Rohde Bernd Martin schrieb:

Mir fällt nur die Geschichte in Konstanz ein. Da haben die
Studenten
gefordert, dass nichtstudentische Benutzer in der UB Benutzungsgebühren zahlen sollen. Was ist eigentlich daraus
geworden?

Externe Nutzer zahlen in Konstanz wahlweise eine Gebühr von 56 Euro pro Jahr oder 14 Euro pro Monat. Siehe dazu:

- den Beitrag im Blog von Eric Steinhauer:
http://bibliotheksrecht.blog.de/2007/05/10/benutzungsgebuhren_
an_der_ub_konstanz~2243838

- den Beitrag im Blog Von Jakob Voß (inkl. Kommentar des Astas der Uni
Konstanz):
http://jakoblog.de/2007/05/10/studierende-in-konstanz-fuer-meh
r-gebuehren/

- den Inetbib-Thread:
http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg33335.html

Herr Voß schreibt ganz treffend in seinem Blog:

<zitat>
Alles wird versucht gegeneinander aufzurechnen und die Spriale des Gebühren-Wettrüstens kann losgehen. Das Leistungen wie Bildung und Bibliotheken kostenlos angeboten werden und für eine offene Gesellschaft unabdingbar sind, passt da wohl nicht ins Konzept.
</zitat>

Viele Grüße

Sebastian Wolf

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