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Re: [InetBib] Open Library und Deutschland (Europa)



Klaus Graf:
http://www.scribd.com/doc/13166453/-OCLC-Policy-WorldCat-metadata-libraries
Das erklaert ein wenig den Hintergrund, wieso Bibliotheken
keinen libre Open Access für Katalogdaten wollen.

Herzlichen Dank für den Hinweis! Leider nimmt dieser Artikel keinerlei
Bezug auf Open Library. Die monopolistische Stellung des OCLC mit den
entsprechenden Konsequenzen - kommerziell hin oder her - hat ja ihre
Parallele im Bereich der Wissenschaftspublikationen, wo ebenfalls
gefordert wird, Inhalte, die auf Kosten der Allgemeinheit entstanden
sind, kostenfrei zur Verfügung zu stellen.

Man darf annehmen, daß die kommerziellen Journale in wenigen Jahren
verschwinden, was natürlich auch Konsequenzen für die
wissenschaftlichen Bibliotheken haben wird. Soweit ich das sehe, haben
die Wissenschaftler es wirklich satt, von den Verlagen ausgenutzt zu
werden. Außerdem können sie es selbst viel besser. Diese Entwicklung
ist einerseits ganz natürlich, andererseits von den Verlagen
selbstverschuldet. So gesehen ist dieser Schachzug des OCLC der Anfang
vom Ende sein. Spätestens jetzt dürfte es jeder begriffen haben.

Ich habe OCLC bisher sehr wenig genutzt. Einmal habe ich eine Abfrage
hinsichtlich eines Stichwortes machen wollen und war sehr enttäuscht,
daß das OCLC nicht mehr als 500 Einträge liefern wollte. Daraufhin
habe ich ein kleines Programm schreiben müssen, um diese Beschränkung
zu umgehen.

Die Hinweise auf die Quelle der Daten sind natürlich sehr leicht zu
entfernen; insofern sind solche Vorschriften eher lächerlich. Es wäre
nur möglich, die Herkunft von Datenbeständen zweifelsfrei
nachzuweisen, indem man absichtlich und gezielt falsche Datensätze
oder falsche Detailangaben einfügt, die es erlauben, anhand dieser nur
einmal vorhandenen Daten die Quelle nachzuweisen. Das ist, wenn ich
mich nicht irre, gängige Praxis bei dem Verkauf von Adressdaten.

In diesem Fall wäre es ziemlich einfach, solche Datensätze
beziehungsweise Detaildaten zu erkennen und zu umgehen, da die
Datensätze über andere Quellen unschwer abgeglichen werden können. Mit
anderen Worten: OCLC hat keine Chancen. Wie auch schon die
Enzyklopädien angesichts der Wikipedia erkennen mußten, daß ihre Zeit
abgelaufen ist, werden auch die Bibliotheksinstitutionen erkennen
müssen, was unsere Zeit erfordert und so oder so verwirklichen wird.

Das meinte ich auch mit meinem Hinweis auf die europäischen
Anstrengungen, die mir sehr stark in die Richtung des OCLC zu gehen
scheinen (wie mir auch die gerade hereingekommenen
Stellenausschreibung zu zeigen scheint). Nun gut, ich bin absoluter
Laie und habe nur sehr geringe Einsicht in die Gesamtmechanismen, aber
vielleicht ist es für die Insider auch interessant zu erfahren, wie
Außenstehende darüber denken.

Für meine private Bibliothek benutze ich LibraryThing und habe nach
einer Testphase kurzerhand eine lebenslange Mitgliedschaft erworben;
LibraryThing nutze ich allerdings ausschließlich zur Erfassung. Bisher
habe ich bei über 500 Büchern erst ein einziges gefunden, für das ich
nirgendwo Daten finden konnte, selbst bei recht obskuren Objekten.
Diese Daten werden dann mit privaten Kommentaren ergänzt.

Vermutlich werde ich darauf nie zurückgreifen, da ich die
Recherchemöglichkeiten bei LibraryThing bisher für sehr unzureichend
empfunden habe. Stattdessen übernehme ich die Daten dann nach Zotero
und füge dort anschließend noch einen Schnappschuss der Seite an, über
die ich das betreffende Objekt erworben habe. Normalerweise stehen
dort alle die Daten, die ich im privaten Kommentar bei LibraryThing
eingefügt habe.

Natürlich könnte ich die dort erfaßten Daten auch herunterladen und
mit einem selbstgeschriebenen Programm weiterverarbeiten; das ist aber
gar nicht nötig, denn Zotero wiederum ist ganz ausgezeichnet
(natürlich auch eine amerikanische Entwicklung); insbesondere habe ich
die Möglichkeit genutzt, dort die Daten zu exportieren, um daraus
wiederum (über ein kleines Programm) eine Literaturliste zu
generieren. Damit bin ich im Grunde wunschlos glücklich. Erst über die
Detailsuche bei einem Buch aus einer limitierten, in sich noch einmal
gestaffelten Ausgabe bin ich auf Open Library gestoßen, weil solche
Daten über LibraryThing nicht zu finden sind und auch niemals zu
finden sein werden.

In Open Library hingegen könnte ich mit meinem Wissen über diese
Ausgaben zur allgemeinen Kenntnis beitragen. Damit würde sich so etwas
wie eine Wikipedia des Bibliothekswesens ergeben. Ebenso wäre es sehr
sinnvoll, wenn Rezensionen, wie sie etwa Amazon veröffentlicht und in
Besitz nimmt (das darf man nicht vergessen), auf einer solchen
Plattform veröffentlicht werden würden. Dabei stelle ich übrigens
fest, daß das Niveau der Rezensionen in den USA wesentlich höher ist
als in Deutschland. Natürlich gibt es dort auch wesentlich mehr Leser,
aber das erklärt eigentlich nicht, warum das Niveau als solches so
unterschiedlich ist. Das Niveau der Rezensionen könnte bei Open
Library verbessert werden, wenn sämtliche Daten, wie bei der
Wikipedia, unter die entsprechende Lizenz gestellt werden und damit
veränderbar sind. Im Grunde geht es bei der Wikipedia ja auch schon
Rezensionen, insofern als Übersichten und Kritiken referiert werden.

Kurz: Open Library hat mit OCLC sehr wenig zu tun. Die Tage von OCLC
sind meines Erachtens gezählt, während Open Library möglicherweise
ähnlich erfolgreich werden könnte wie die Wikipedia. Ohne Wikipedia
kann ich mir die Welt nicht mehr vorstellen.

Werner Popken



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