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[InetBib] Gute Zeiten für Information Professionals (IPs) sind zu erwarten,



wenn „Verfassungsschutz 18 Prozent und der BND zwölf Prozent mehr Etat bekommen sollen.“ (https://netzpolitik.org/2016/wochenrueckblick-kw-36-straffreiheit-fuer-geheimdienste-bei-datenschutzverstoessen-und-andere-gemeinheiten/).

Obwohl wir also fast täglich sehen, hören oder lesen was das Internet über uns schon alles weiß, und dass Big Data diesen Trend verstärkt, (www.internetworld.de/onlinemarketing/tracking/christian-bennefeld-da-draussen-gerade-passiert-mir-wirklich-angst-1121231.html ), enttäuschte es mich bisher trotzdem zu tiefst, dass da niemand die wichtigsten publizierten Erkenntnisse aus meinem Leben bemerkt hat. Nun könnte es natürlich sein, dass die Computer der Geheimdienste dieser Welt, bisher alle der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig sind. Ich gebe auch offen zu, dass ich es den IPs in den Geheimdiensten nicht zu leicht machen will und Facebook, Whatsapp oder Twitter meide. Die Kollegen sollen bei ihren Recherchen ruhig offen zeigen was sie drauf haben. Aber ich habe auch Zweifel, dass das Internet, von dem abgesehen was ich dort absichtlich publiziert habe, so viel von mir weiß. Zumindest empfiehlt es mir schon seit Monaten den Kauf einer Automarke, obwohl ich mich bereits für ein anderen Hersteller entschied. Die scheinen nicht einmal zu wissen, dass ich kein zweites Auto brauche. Im allgemeinen teile ich auch nicht aller Welt mit, dass ich zur Zeit verreist bin, und dass man nun bei mir stressfrei einbrechen kann.

Deswegen beunruhigte mich bislang weit mehr, was das Internet alles an Halbwissen hat, als dass es zu viel weiß. Der Kampf der IPs sollte daher der Angst vor dem Halbwissen gelten, und nicht der Angst vor zu viel gediegenem Wissen. Natürlich wussten die IPs schon am Beginn des Internets, dass da mehr oder minder alle Nachrichten durch amerikanische Militärrechner laufen, dass Arpanet kein Harfenspielerinnenverein ist, und dass Google, das aus einem Digital Library Project hervor ging, für alle IPs dieser Welt (also auch denen in den Geheimdiensten), sehr hilfreich ist, weil es fast alle Recherchen der Welt auf sich zieht. Die Ausrede, dass die Amis über die Reklame damit sehr viel Geld verdienen, kam erst später, um von dem Verdacht der Überwachung abzulenken. Die erfahrenen IPs brauchten nicht erst einen E. Snowden, der ihnen die Augen öffnete.

So wie man nicht auf jeden Reklamegag hereinfallen darf, sollte man auch nicht das weit übertriebenen Wissen der Internetüberwacher als bare Münze nehmen. Für investigative Journalisten ist es natürlich sinnvoll, allen Menschen Angst zu machen, damit sie ihre Daten auch verschlüsseln. Man sollte ihrer Meinung nach bei der NSA nicht sofort sehen, wer als Journalist etwas zu verbergen hat.

Ich möchte darum nur anregen, dass die IPs in die Diskussion über das allwissende Internet mehr Realismus einbringen, denn Gefahren zu unterschätzen ist ebenso gefährlich, wie sie zu überschätzen. Interessanterweise sind diejenigen, die uns zu mehr Vorsicht raten oft die, die uns gleichzeitig die Nutzung von Social Media anraten. Darum sollten IPs aus meiner Sicht bei Empfehlungen zur extensiven Nutzung der Social Media etwas vorsichtiger sein. Auch für IPs gilt, dass das wichtigste Kapital eines Geschäftspartners das Vertrauen in sein Fachwissen ist, das er sich mit der Zeit erwirbt. Insofern muss man sich überlegenes Wissen erst erarbeiten – gleichgültig ob beim Verfassungsschutz oder in einer Bibliothek.

MfG
Walther Umstätter

P.S. Hoffentlich liest das niemand von irgendeinem Geheimdienst, sonst glauben die, ich nehme sie nicht ernst genug ;-)


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