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Re: Graf ./. Beger



Harald Mueller schrieb:
> 
> Liebe Liste,
> lieber Herr Graf!
> 
> Nachdem ich einige Wochen in Urlaub war, durfte ich mich durch
> einen Berg von Mails kämpfen und was finde ich zu meinem
> allergrößten Erstaunen darunter: ein Herr Graf greift Frau Dr. Beger
> mit ziemlich massiven Worten an. Ich lese da solche Ausdrücke
> wie "Geheimdiplomatie", "Armutszeugnis" und "hinter
> verschlossenen Türen".

Sehr geehrter Herr Mueller,
Ihre Suada habe ich mit Befremden gelesen. Sie als Volljurist sollten
doch wissen, dass wir in Deutschland immer noch das Recht der freien
Meinungsaeusserung haben und dass nicht alles, was unbequem oder scharf
formuliert ist, auch eine Beleidigung darstellt.

Sie stellen unwahre Behauptungen ueber mich auf, waehrend ich keine
unwahren Behauptungen ueber Frau Beger verbreitet habe.

Ich schrieb: 

> Ich moechte davon Abstand nehmen, einen Schnellkommentar abzuliefern.
> Ich finde es jedoch nicht sachdienlich, dass die kritischen Argumente
> der Bibliotheken und anderer Institutionen, die sich ja schon gegen den
> Referentenentwurf richteten, nicht in oeffentlichen Foren des Internets,
> auf Internetseiten oder in INETBIB als DER deutschen bibliothekarischen
> Mailingliste, verhandelt werden, sondern gleichsam hinter verschlossenen
> Tueren. Dies ist auch eine Kritik an Frau Beger, die die Lobbyarbeit der
> Bibliotheken und Archiven organisiert.
>
> Leider ist es aber so, dass auf dem Gebiet des Urheberrechts nur sehr
> wenige willens (oder faehig) sind, sich an einer solchen Diskussion zu
> beteiligen. Gleichwohl brauchen wir ein Webforum zu Urheberrechtsfragen
> aus bibliothekarischer/archivischer Sicht, das deutlich auch die
> Perspektive der Konsumenten/Nutzer zur Geltung bringt.

Dann schrieb ich auf die Erwiderung:

>meine Kritik halte ich in vollem Umfang aufrecht. Dass sich Frau Beger
>engagiert, habe ich nie bestritten. Die Frage ist doch nur, ob die Art
>und Weise der Befassung der BibliothekarInnen und Bibliotheken und ihrer
>Verbaende mit dem Thema in der OEFFENTLICHKEIT sinnvoll ist. Dass Frau
>Beger mit ihrer Geheimdiplomatie viel Erfolg gehabt hat, wage ich zu
>bezweifeln. Es ist doch ein Armutszeugnis fuer das deutsche
>Bibliothekswesen, dass die Auseinandersetzung mit einem so wichtigen
>Thema bei genau einer Person konzentriert ist.

Ich bezog mich in meiner ersten Stellungnahme WERTEND - und Wertung und
Tatsachenbehauptung bitte ich auseinanderzuhalten - auf meinen Eindruck,
dass, obwohl die digitale Verwertung einen Kernbestandteil der
UrhG-Novelle darstellt, die Bibliotheken das Internet nicht HINREICHEND
genutzt haben, ihren Standpunkt zur Geltung zu bringen. Ich hatte im
Fruehjahr von einem Bekannten eine Mail zum UrhG erhalten, der auf die
Lobbyarbeit von Frau Beger einging und Kulturinstitutionen dazu aufrief,
Bedenken gegen die geplanten Regelungen aus der Praxis zu artikulieren.
Wieso hat man einen solchen Aufruf nicht oeffentlich gemacht, wieso hat
man nicht die bibliothekarischen Mailinglisten dazu benuetzt, ein
breites Meinungsbild zu erhalten und dann konkrete Konfliktfaelle
darstellen zu koennen? Ich erinnere mich nicht, von Frau Beger etwas in
INETBIB gelesen zu haben.

Wieso "Geheimdiplomatie" oder "hinter verschlossenen Tueren" massive
Worte sein sollen, wissen wohl nur Sie allein. Armutszeugnis bezog sich
nicht auf Frau Beger, sondern auf das Bibliothekswesen. 

 
> Herr Graf möchte Kritik üben: Das ist wichtig und erwünscht!

Offensichtlich ja nicht, es darf, Ihnen zufolge, nur mit
Wattebaeuschchen geworfen werden!

 
> Genannter Herr Graf ist nun offensichtlich mit dem
> Regierungsentwurf zur Novellierung des Urheberrechts inhaltlich
> nicht einverstanden. Dies nimmt er zum Anlaß, Frau Dr. Beger
> öffentlich anzupöbeln.

Ich habe Frau Beger scharf kritisiert, aber nicht angepoebelt. Ich
verbitte mir solche Wertungen.


> Lieber Herr Graf, ich sage es noch mal: Kritik ist wichtig und
> erwünscht. Ihre Art der öffentlichen Meinungsäußerung schadet
> aber der Sache, um die es Ihnen angeblich doch geht, weil Sie
> Tatsachen behaupten, die erwiesenermaßen falsch sind. Frau
> Dämpfert und Frau Schleihagen waren bereits so freundlich, die
> faktischen Fehler von Herrn Graf richtig zu stellen. Der Ausdruck
> "Geheimdiplomatie" ist nachweislich falsch.

Er hat einen deutlich wertenden Akzent und bezog sich, wie aus dem
Kontext hervorgeht, vor allem auf die virtuelle Oeffentlichkeit.
Wertungen sind, einmal mehr sei es Ihnen, sehr geehrter Herr Mueller,
ins Stammbuch geschrieben, keine Tatsachen. Geheimdiplomatie ist eine
Metapher, ein Bild, keine Tatsachenbehauptung, sondern zu lesen als:
wirkt auf mich WIE Geheimdiplomatie. Dass Frau Beger nicht dem
diplomatischen Dienst des auswaertigen Amtes angehoert, ist mir sehr
wohl bewusst.

 Es mag ja sein, daß
> Herrn Graf die vielfältigen öffentlichen Aktivitäten von Frau Dr. Beger
> nicht bekannt sind. Denn, lieber Herr Graf, warum habe ich Sie
> noch niemals auf einer der Veranstaltungen gesehen?

Veranstaltungen erreichen immer nur eine sehr begrenzte Anzahl von
TeilnehmerInnen, waehrend das Internet sehr viel mehr Multiplikatoren
erreicht. Ich fahre meistens nur zu historischen Tagungen.


> Warum liest
> man in Bibliothekszeitschriften nichts von Ihnen?

Weil auch ich nicht auf allen Hochzeiten tanzen kann, und weil
Internetpublikationen mit weniger Aufwand verbunden sind.
Urheberrechtliche Fragen behandle ich z.B. in einer Artikelserie der
"Kunstchronik", und zum Thema Archivwesen und Urheberrecht hoffe ich in
den naechsten Tagen fuer einen archivrechtlichen Sammelband etwas zu
Papier bringen zu koennen. 


 Warum
> verstecken Sie sich?

Ist das Ihr Ernst? INETBIB-LeserInnen wissen, dass ich versuche, hier
regelmaessig ueber urheberrechtliche Probleme zu informieren. Im
November werde ich auf einer Tagung zum Fotorecht referieren und mit
Sicherheit wird dann via Netbib oder INETBIB ein Hinweis zu meinen
Ueberlegungen zu finden sein.

 
> Vielleicht sollte man an dieser Stelle fragen, ob Herr Graf eigentlich
> Jurist ist und über fundierte Kenntnisse im Urheberrecht verfügt?

Jeder hier weiss, dass ich kein JURIST bin. Ob ich fundierte Kenntnisse
habe, muessen andere befinden. Ich beschaeftige mich jedenfalls seit
vielen Jahren vergleichsweise intensiv damit, und das ist Ihnen sehr
wohl bekannt.

 
> Ich sehe die große Gefahr, daß Frau Dr. Beger reagiert wie jeder
> von uns in einem solchen Fall reagieren möchte: Bei derart infamen
> Unterstellungen, die ja nichts anderes sind als Beleidigungen,
> einfach den Bettel hinzuwerfen. Ausgerechnet die einzige Person
> im weiten Rund des Bibliothekswesens anzupöbeln,

Durch Wiederholung wird eine Behauptung auch nicht wahrer. Infam finde
wiederum ich es, dass Sie mich als jemand hinstellen, den Sie nicht
kennen und der kein ernsthafter Gespraechspartner sein kann. Wir stehen
seit 1989 in sporadischem Kontakt, damals (oder war es 1990?) haben wir
uns auch in Heidelberg getroffen.


> Dennoch möchte ich es Herrn Graf zugute halten, daß es ihm
> letztendlich um die Sache geht: Verbraucherfreundliche
> Regelungen im Urheberrechtsgesetz. Deshalb glaube ich auch
> nicht, daß Herr Graf Frau Dr. Beger wirklich beleidigen wollte. Er
> hat versucht, seine Kritik zu artikulieren und sich vielleicht dabei
> mit zwei, drei Worten vergriffen. Das will ich ihm auch gar nicht
> übel nehmen.

Ach ploetzlich? Richtig ist, dass ich nie vorhatte, Frau Beger zu
beleidigen.

 Ich kann mir auch nicht vorstellen daß Herr Graf
> vorhat, sich mit unseren Bibliotheksjuristen auf eine ernsthafte
> Auseinandersetzung einzulassen.

Was soll das denn sein? Eine Drohung? Ich habe mir keinen
Gesetzesverstoss vorzuwerfen, und wenn es um Sachfragen geht, so hatte
ich, wie jeder im BD online nachlesen kann, 1995 eine ernsthafte
Auseinandersetzung auch zu urheberrechtlichen Fragen mit
Bibliotheksjuristen, ohne dass diese mich (wie Sie es tun) als Mr.
Niemand oder Nobody hingestellt haben:

http://www.dbi-berlin.de/dbi_pub/einzelth/rechtpub/handsch2.htm

Da ich persoenlich angegriffen wurde, bitte ich fuer den geringen
sachlichen Gehalt meiner Erwiderung um Verstaendnis.

Dr. phil. Klaus Graf


Listeninformationen unter http://www.inetbib.de.