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Re: AW: [InetBib] Professor Reuß, das Urheberrecht und 1995



sorry vielmals "Herr Prof. Reuß", nicht Reusch, hierin keinerlei Absicht

:-[
Kustos schrieb:
Liebe Liste, lieber Herr Eberhardt,

dieses hier, was Sie schreiben

Im "Heidelberger Appell" wurden mehrere "sensible" Punkte miteinander vermengt. Und wenn ich nicht inzwischen den Verdacht hätte, ..., würde ich sagen: absichtlich. Um die provozierte Ablehnung des bösen Google-Handelns auszudehnen auf Open Access."

scheint mir ein Kernpunkt zu sein: man füge etwas Drittes ein, allerdings nicht in der Absicht zu vermitteln, sondern um klare Unterschiede zu verwischen, ein altes TarnSpiel mit häufig verheerenden Folgen, ..klar, dass Autoren, die sich beklaut fühlen, erst einmal nichts mitbekommen... Die Google-Machart hat mit der Open Access-Initiative jedoch gar nichts zu tun. Was hier besonders schwierig ist, ist der Aspekt des Benutzens, so dass schon irgendwie Absicht zu vermuten ist. Man verwendet äußerst verständliche Ängste der Autoren, nicht wahr? Einschüchtern verhindert eine sachliche Klärung dieser ganzen tatsächlich sehr schwierigen Materie. Letzlich werden sinnvolle Publikationswege verhindert, also ein ganz faktischer Schaden. Da bin ich bei dem anderen Punkt, der mich im Artikel von Herrn Prof. Reusch sogar ein bisschen geärgert hat: diese merkwürdige Vermengung der "Sichtbarkeit" mit der "Eitelkeit". Bisher war in der Diskussion die Eitelkeit mit der Werkausgabe bzw. einem Artikel in der angesehenen Fachzeitschrift verknüpft...die der Verleger sicherstellt, zum Ruhme des Autors. Open Access war irgendwie Schund usw. Nun ist die Eitelkeit verbunden mit dem Sichtbarkeitsinteresse des Autors (für dessen Konstatierung der OpenAccess-Freund sich hiermit bedankt) in Bezug auf Open Access offenbar ein fiesliches Ereignis...trotzdem bleiben OA-Systeme aber der Schund. ?????? Also was denn nun.
Das kapiert auch keiner mehr, also wieder etwas Drittes.
Um wieder bibliothekarisch zu werden... Repositories innerhalb von OA-Systemen versuchen, die digital veröffentlichten Werke in einem fachlich/wissenschaftlich/sachlichen Kontext langfristig zu sammeln, zu speichern, zu erschließen und zugänglich zu machen...auch, um der Flüchtigkeit entgegen Sichtbarkeiten, Erkennbarkeiten wissenschaftlicher oder literarischer Werke herzustellen und zu erhalten. Wir kommen doch an der digitalen Welt nicht mehr vorbei. Verlage sichern dies nicht und haben auch nicht den Auftrag. Den hier aufblitzenden Aspekt des Zugangs zur Information, der öffentlichen Investition, der in OA-Systemen steckt, lasse ich jetzt mal aus, weil hier andere Protagonisten sind...an diesem Punkt bin ich aber wieder beim Unterschied von OA und Google! Man verwische da doch bitte nicht die Absichten!. Das gedruckte Buch erlebt aus meiner Sicht gerade einen sehr erfreulichen Bedeutungswechsel, der in der Vertiefung liegt. Das ist alles Andere als beängstigend.
A. Kustos

Lieber Herr Ulmer,

Vielleicht würde ja eine weniger starre Fixierung auf Impacts helfen sich wieder stärker auf die Wahrheit zu konzentrieren, sich weniger abhängig von bestimmten Publikationen zu machen und statt einer Fremdsteuerung durch externe Controller dem Wissenschaftler und seinem eigenen Streben mehr Raum zu geben. Klar, ist natürlich wieder nur Blödsinn von mir...

Sie insinuieren allen Ernstes, dass die OA-Anhänger die Suche nach "der Wahrheit" als Antrieb der Wissenschaft vergessen haben? Oder vermengen Sie hier zwei Dinge, die nicht so viel miteinander zu tun haben?

Zu den übrigen Punkten: wenn Sie Fundstellen zum Thema Verfassungsmäßigkeit einer Veröffentlichungspflicht bei öffentlich finanzierten Wissenschaftlern brauchen,

Tja, auf Reuß Webseite steht eigentlich auch nur, dass er meint, dass das nicht verfassungsmäßig ist, und dass er einen Wissenschaftler (Juristen) kennt, der meint, dass das nicht so ist. Dabei geht es um das Erstveröffentlichungsmandat einer Hochschule, von dem er meint, dass es von Politik und Förderorganisationen betrieben wird. Das ist ungefähr so differenziert wie die wiederholte Behauptung, Uwe Jochum habe "durchgerechnet", dass das Digitale bzw. das OA-Publizieren die Gesellschaft viel teurer komme. Und bitte lassen Sie Ihrer Aufmerksamkeit nicht entgehen, dass Reuß und Co in allen ihren Äußerungen, die ich bisher gelesen habe, immer neben dem befürchteten Mandat weitere "Argumente" gegen OA ins Feld führen. Ich erinnere nur an: "OA-Publikationen sind schlecht gesetzt und sehen hässlich aus."

Gleiches gilt für das Sujet Klagen. Sie werfen Reuß im Fall Kafka oder Schirrmacher etwas vor. Ich weise nur darauf hin, dass es sein kann, dass das mit Genehmigung oder Duldung erfolgte.

Tja, könnte sein. Aber drunter steht "(c) Institut für Textkritik", und das bedeutet ja wohl (in meinem laienhaften juristischen Verständnis), dass das Institut sagt, *alle* Rechte lägen bei ihm. Und das nicht nur für Schirrmachers Rezension, sondern bei allen andern auch. Halte ich für ausgeschlossen, dass die Rezensenten da so freigiebig waren.

Es ist immer kritisch wenn man sich zum Anwalt Dritter macht, ohne die zu fragen.

Hier gehts doch darum, dass jemand Wasser predigt und Wein säuft. Nicht darum, dass, oh Gott, Herrn Schirrmachers Rechte verletzt wurden, oder die des Fischer-Verlags, sondern dass es Reuß war, der dies getan hat. Der Reuß, der da steht und mit dem Finger auf alle möglichen Leute zeigt und sagt: "die sind gemein, die wollen mir meine Veröffentlichungsfreiheit nehmen! Das ist gegen das Grundgesetz!" Das nennt man Bigotterie. Deutlicher als Herr Steinhauer hätte man das kaum klarstellen können. Danke!

Zum Heidelberger Appell: er war vielen wichtig. Und hier wurde er natürlich nicht ernst genommen, das ist reflexhaft. Aber die Reaktionen der DFG und der Schlingerkurs mit laufendem Widerruf bis zu Kleinerts Brief hat gezeigt, dass hier ein sensibler Punkt angesprochen wurde.

Im "Heidelberger Appell" wurden mehrere "sensible" Punkte miteinander vermengt. Und wenn ich nicht inzwischen den Verdacht hätte, dass Reuß schlicht nicht weiß, wovon er schreibt, würde ich sagen: absichtlich. Um die provozierte Ablehnung des bösen Google-Handelns auszudehnen auf Open Access. Jedenfalls hat Reuß, haben die Initiatoren des Heidelberger Appells da ja was erreicht, da belletristische Autoren mit ihrer Unterschrift gegen das befürchtete Erstveröffentlichungsmandat protestiert haben.
Ohne den Appell hätte die Bundesregierung oder der Börsenverein sicher nicht reagiert. Dass das von den Rechteinhabern lautstark begrüßt wird zeigt, dass der Appell für viele wichtig war. Dass er von den Nutzer, Bibliothekaren oder Lesern mit Mißfallen gesehen wird, das verstehe ich gut. Aber dadurch wird der Appell nicht falsch.

Vergessen wir nicht, dass Reuß an vielen Stellen auch auf die Verlage eingeht, und gegen OA mit dem Argument antritt, dies gefährde die deutsche Verlagslandschaft. Sollte er sich nicht, statt sich in Wirtschaftsfragen zu äußern, ein bisschen mehr auf die Suche nach der Wahrheit konzentrieren?

Wie wäre es mit Wahrheit?

Vielleicht sollte man noch hinzufügen, dass der Witz bei Reuß' Kafka-Edition die ist, die Frage nach der "Wahrheit" dem Leser zu überlassen.
Schönen Gruß!

J. Eberhardt



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