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Re: Urheberrechtsverletzung mal anders



Klemens Wolber schrieb:

ein Hinweis in Ihrer Angelegenheit, Ihr CMS System bei http://wikisource.org ist zu 0% abgedichet, ohne jedes Login konnte ich den sourcecode der Seite editieren.

Im Gegensatz zu Wikipedia und Wikibooks sind Wikisource, Wikiquote und Wiktionary, zugegebenermaßen noch nicht ausgereift. Nicht unbedingt bezüglich der freien Editierbarkeit, sondern bezüglich der von ihnen zu Recht angemahnten Datenstrukturierung. Mir ging es allerdings nicht um die Software sondern um die freie Lizensierung der Daten.


Ich bin gerne bereit, unsere Inhalte herzugeben - solange sie mich vorher
> fragen und unseren Namen nennen, und von einer komerziellen Nutzung absehen
> und die Dritter ausschließen können.


Es geht gerade um die Nutzung Dritter, ohne vorher fragen zu müssen. Bibliotheken müssen auch nicht vorher beim Verlag nachfragen, ob sie ein Werk einem bestimmten Benutzer verleihen und er daraus möglicherweise sogar noch eine Seite für private Zwecke kopieren darf. Was die Namensnennung und den (übrigens bedauerlichen) Ausschluß kommerzieller Nutzung betrifft, lässt sich das durch eine Lizenz regeln. Ich verweise nochmal auf http://creativecommons.org Auch die Möglichkeit, die Daten zu verändern, kann ausgeschlossen werden, was den Nutzungsrahmen allerdings oft unnötig stark einschränkt.

Dann können Sie mir auch erklären, wieso der Erhalt eines Textes durch
> Open source besser gewährleistet ist als ohne. Bisher bin ich nämlich
> vom Gegenteil überzeugt.

Die Open Access und Open Content Bewegung hat viel mit Open Source gemeinsam, ist jedoch nicht mit ihr identisch. Unter Erhalt verstehe
ich nicht allein die sachgerechte Lagerung des Orginaltextes, sondern die Verfügbarmachung der daran geleisteten Erschließungsarbeit.


> Im Detail werden sie nämlich feststellen müssen, dass es nicht reicht,
einfach ein Eichendorff-Gedicht irgendwo reinzubasteln, das kann auch
> Gutenberg, die Arbeit steckt in der Logik und in den damit verbundenen
> Entscheidungen und der Datenkonsistenz.

Die Editionswissenschaft leistet ohne Zweifel eine nicht zu unterschätzende Arbeit, die natürlich nicht einfach durch Freiwillige und ungefragte Dritte ersetzt werden kann. Allerdings können diese einen Beitrag dazu liefern, wenn die produzierten Inhalte frei verfügbar sind. Stellen sie sich einmal vor, wie mühsam ihre Arbeit wäre, wenn sie für jede Verwendung der Werke Eichendorffs erst einmal einen Rechteinhaber ausfindig machen und mit ihm einen Vertrag aushandeln müssten!

Wenn Sie beispielsweise ihre Inhalte unter eine Open Content Lizenz stellen, kann jeder eine CD daraus produzieren, die allerdings im Gegensatz zu der von ihnen beanstandeten Ausgabe wiederum frei für weitere Projekte verwendet werden kann. So haben alle etwas davon.

Mit freundlichen Grüßen,
  Jakob Voß


Listeninformationen unter http://www.inetbib.de.