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Re: Benutzungsgebühren Staatsbibliothek zu Berlin



Liebe Frau Lülfing!
Vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Welche Möglichkeit haben nun aber jene
Nutzer, die den Freihandbestand zum einmaligen Nachschlagen eines
Sachverhaltes nutzen wollen, oft Leute von außerhalb? (u. a. mein Beispiel
mit dem geographischen Wörterbuch, zu dessen Benutzung ich regelmäßig
Mitarbeiter und Nutzer in die Stabi schicke oder die elektronischen
lizenpflichtigen Angebote wie z. B. integrum worldwide). Man könnte doch
auch eine personalisierte Tageskarte einführen oder den Personalausweis als
Pfand einbehalten. Wenn Medien verschwinden, ist die Zahl der
Jahreskarteninhabern, die die Bibliothek vom letzten Auftauchen des Bandes
bis zum Bemerken des Verschwindens benutzen, schließlich auch immens und
kann wohl kaum helfen, den Kreis der potentiellen Täter einzugrenzen. Dieses
Argument überzeugt mich nicht, zumal es Vorgaben von Verfassungsrang (siehe
die Mails von Herrn Steinhauer) und die Aufgaben einer wissenschatlichen
Universalbibliothek mit überregionalen Aufgaben wohl kaum aufwiegt.
Annekathrin Genest




----- Original Message -----
From: "Trojahn, Silke" <Silke.Trojahn@xxxxxxxxxxxxxxxxx>
To: "Inetbib" <INETBIB@xxxxxxxxxxxxxxxxxx>
Sent: Friday, August 19, 2005 1:27 PM
Subject: AW: Benutzungsgebühren Staatsbibliothek zu Berlin


Liebe Liste,



die Entscheidung, die Jahresbenutzungsgebühr von 15 EUR auf 25 EUR
anzuheben, hat sich die Staatsbibliothek in keiner Weise leicht gemacht.
Bitte erlauben Sie mir in diesem Zusammenhang noch einmal darauf
hinzuweisen, dass wir die Benutzungsgebühren seit 1998 nicht erhöht haben,
obwohl wir unseren Leserinnen und Lesern z. B. durch die
Online-Bestellmöglichkeiten, die verlängerten Öffnungszeiten am Samstag im
Haus Potsdamer Straße und die Einrichtung von nunmehr zwei
Bereitstellungstouren zu unserem Außenmagazin einen ständig verbesserten
Service anbieten. Dies hat z. B. dazu geführt, dass wir im Jahr 2005 rund
die doppelte Anzahl von Bänden pro Tag für die Benutzung zur Verfügung
stellen.



Die Einnahmen, die die Staatsbibliothek aus den Gebühren erzielt, stehen der
Bibliothek aber auch weiterhin zu 100 % zur Verfügung. Sie werden für die
Erhaltung der Bestände (Einband, Restaurierung, Massenentsäuerung von
säurehaltigem Papier etc.) verwendet. Auch hier sind die Kosten in den
letzten sieben Jahren erheblich gestiegen. Obwohl wir regelmäßig auch aus
dem laufenden Haushalt erhebliche Summen für die Bestandserhaltung
bereitstellen, wären wir nicht in der Lage, den Bedarf auch nur annähernd
aus den regulären Haushaltsmitteln zu decken, den die Bibliothek an
bestandserhaltenden Maßnahmen hat. Das Einbinden von Broschüren und
Zeit­schriften, die Reparatur von Einbänden, die Erhaltung von Papieren aus
dem 19. und 20. Jahrhun­dert durch die Massenentsäuerung, die Restaurierung
von Karten und Zeitungen - um nur einige Beispiele zu nennen - in die wir
pro Jahr rund 1,35 Mio. EUR investieren, dienen letztendlich der
Benutzbarkeit der Bestände der Staatsbibliothek. Ein defektes Buch kann
irgendwann nicht mehr für die Benutzung bereitgestellt werden. Alles was wir
in die Bestandserhaltung investieren, auch die Benutzungsgebühren, kommen
also unseren Leserinnen und Lesern wieder zu Gute.



Etwas andere Beweggründe haben uns veranlasst, künftig eine Gebühr von 1 EUR
für die Bereit­stellung (noch nicht die Aufgabe) einer Vormerkung zu
erheben. Wir haben über mehrere Wochen Erhebungen gemacht, wie viele
Vormerkungen zwar von uns bereitgestellt, aber nicht abgeholt wurden. Dabei
wurden rund 20 % der Vormerkungen von uns zwar bereitgestellt, aber vom
Besteller nicht mehr benutzt. Die Bibliothek muss für die Bereitstellung von
Vormerkungen

erhebliche Zeit und beträchtliches Personal aufbringen. Unsere Leserinnen
und Leser haben deshalb künftig die Möglichkeit, eine Vormerkung zu
stornieren, wenn sie den Band vielleicht inzwischen in einer anderen
Bibliothek einsehen konnten, ihn vielleicht auch aus anderen Gründen nicht
mehr benötigen. Insgesamt wollen wir erreichen, dass mit dem Instrument
Vormerkung sorgfältiger umgegangen wird, damit wir nicht Kapazitäten binden,
die wir für die rasche Bereitstellung der Literatur für unsere Benutzerinnen
und Benutzer dringend benötigen. Gleichzeitig bereiten wir die
E-Mail-Benachrichtigung für Vormerkungen vor und hoffen, damit unseren
Service weiter zu verbessern.



Besonders in die Kritik geraten ist die Abschaffung der Tageskarten. Mit
dieser nur an einem Tag geltenden anonymen Karte konnten die Leserinnen und
Leser nur den Lesesaal benutzen. Sie hatten keinen Zugang zu den
Magazinbeständen und allen Sonderbeständen. Wir wollen aber künftig die
Sicherheit unserer Bestände erhöhen und nur noch angemeldeten Benutzerinnen
und Benutzern den Zugang zur Bibliothek gestatten. Davon ausgenommen sind
die Besuche­rinnen und Besucher von Ausstellungsbereichen im kontrollierten
Bereich. Diese erhalten kostenlos einen Ausstellungsausweis, der allerdings
nur zum Besuch der Ausstellung berechtigt.



Seit Mitte August bieten wir mit dem bargeldlosen Zahlungsverkehr einen
neuen Service an, der es ermöglicht, die Gebühren und Entgelte mit der EC-
oder Maestro-Karte zu begleichen. Wir bemühen uns ständig, unseren
Leserinnen und Lesern einen verbesserten Service anzubieten.



Bitte haben Sie also Verständnis, dass wir in einigen Bereichen ab dem 1.
September 2005 ohne eine Erhöhung der Gebühren nicht auskommen. Weil die
Gebühren aber unseren Lesern wieder zu Gute kommen, haben wir uns gegen eine
Staffelung der Gebühren ausgesprochen.









Dr. Daniela Lülfing

Leiterin der Benutzungsabteilung

Staatsbibliothek zu Berlin

Preußischer Kulturbesitz

E-Mail: daniela.luelfing@xxxxxxxxxxxxxxxxx


Listeninformationen unter http://www.inetbib.de.